Investments in Schwellenländer-Aktien Wie sich die Krise nutzen lässt

Positionen in Höhe von 600 Millionen US-Dollar bei Bezahldienstleistern in Brasilien und Indien aufgebaut. | © Getty Images

Positionen in Höhe von 600 Millionen US-Dollar bei Bezahldienstleistern in Brasilien und Indien aufgebaut. Foto: Getty Images

ARTIKEL-INHALT 
Chetan Sehgal, Strategiechef bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity

2018 bewegten sich die Weltwirtschaft und die globalen Beziehungen vor dem Hintergrund steigender geo-und wirtschaftspolitischer Risiken auf unbekanntem Terrain. Wir sind Zeugen, wie die weltweiten Lieferketten und Handelsbeziehungen, die für den wachsenden globalen Wohlstand zentral sind, zunehmend unter Druck geraten. Bislang scheinen die Schwellenländer die Hauptlast der Konsequenzen getragen zu haben: Eine asymmetrische – und in unseren Augen überzogene – Marktreaktion, die dazu geführt hat, dass sich die Bewertungen im November 2018 nahezu auf einem Krisenniveau bewegen. Angesichts der weiterhin robusten Fundamentaldaten stellen diese Bewertungen aus unserer Sicht jedoch zunehmend Kaufchancen dar.

Schwellenländer vor starkem Wirtschaftsaufschwung

2018 gab es eine erhebliche Lücke zwischen der Wertentwicklung von Schwellenländeraktien und US-Aktien. Das dabei gesehene Ausmaß lässt sich nur schwerlich rechtfertigen. Während die USA von den einmaligen, kurzfristigen Auswirkungen von Steuersenkungen und der Rückführung ausländischer Gewinne profitiert haben, dürften diese Effekte im Laufe der nächsten beiden Jahre stark zurückgehen.

Prognosen gehen daher davon aus, dass sich die Schwellenländer beim Wirtschafts-und Ertragswachstum sehr viel stärker entwickeln werden. Der Internationale Währungsfonds erwartet 2019 in den Schwellenländern ein konstantes Wirtschaftswachstum von 4,7 Prozent. In den Industrieländern hingegen wird mit einer Abkühlung des Wachstums von 2,4 Prozent im Jahr 2018 auf 2,1 Prozent im Jahr 2019 gerechnet.

Darüber hinaus wird 2019 in den Schwellenländern ein Gewinnwachstum von 10,5 Prozent erwartet. Dies liegt zwar unter dem für 2018 prognostizierten Wachstum von 15,4 Prozent, fällt im Vergleich zu dem in den USA erwarteten Gewinnwachstum von 9,5 Prozent (ein Rückgang gegenüber 21,2 Prozent im Jahr 2018) jedoch weiterhin hoch aus (Quellen: FactSet, MSCI und Standard & Poor’s. Stand: 31.10.2018).

Die Schwäche bei Schwellenländeraktien ist vor allem auf Handelsspannungen zurückzuführen. Exporte stellen zwar nach wie vor einen wesentlichen Wachstumstreiber für diese Regionen dar. Die Waren werden jedoch immer häufiger in andere Schwellenländer geliefert. Dadurch ist die relative Bedeutung der Industrieländer gesunken. Parallel dazu spielen Konsum und Technologie hinsichtlich des Wirtschaftswachstums eine immer wichtigere Rolle, so dass die Schwellenländer inzwischen sehr viel stärker auf ihre eigene Binnenwirtschaft ausgerichtet sind.

Die Handelszölle treffen China zwar zweifellos in einer schwierigen Phase, in der das Land gerade versucht, die Verschuldung seiner Wirtschaft abzubauen. Die Auswirkungen werden jedoch weltweit zu spüren sein, wie die jüngsten Ergebnismeldungen von US-Unternehmen und die damit einhergehende Aktienmarktvolatilität belegen. Politiker könnten womöglich doch noch zu dem Schluss kommen, dass es vielleicht nicht ganz so einfach ist, Handelskriege zu gewinnen.

Wachsende Resistenz gegenüber Ansteckungsrisiken und Finanzschocks

Die Anlegerstimmung hinsichtlich der Schwellenländer und die Wertentwicklung dieser Anlagen wurden nicht zuletzt durch die viel beachteten Notlagen kleinerer Volkswirtschaften verschärft. Wir sind der Auffassung, dass Schwächen in der Türkei und Argentinien jedoch nicht zu einer makroökonomisch breiteren Ansteckung führen dürfte, da diese Länder im Hinblick auf ihren Finanzierungsbedarf und ihre unorthodoxe Politik klar als Ausreißer einzustufen sind.

Die Stärke des US-Dollars hat ebenfalls zur Schwäche der Schwellenländer im Verlauf des Jahres 2018 beigetragen. Die durch Steuersenkungen erzielte kurzfristige Steigerung des BIP-Wachstums in den USA übt Aufwärtsdruck auf die Zinsen aus. Zugleich haben massive Kapitalrückführungen aufgrund regulatorischer Änderungen die Nachfrage nach US-Dollar-Anlagen erhöht. Dementsprechend ist das Gewinnwachstum in den Schwellenländern für Anleger aus den USA recht gering ausgefallen, auch wenn in Lokalwährung zweistellige Zuwächse verbucht wurden.

Insgesamt zeichnen sich die Schwellenländer inzwischen durch Leistungsbilanzüberschüsse, freie Wechselkurse und eine geringere Abhängigkeit von einer Schuldenfinanzierung in US-Dollar aus. Einzelne Schwellenländer, die eine weniger umsichtige Politik verfolgen, sind von den Finanzmärkten heftig abgestraft worden. Aktives Management kann die Spreu vom Weizen trennen.