Jyske-Deutschland-Vertriebsverantwortlicher Thomas Justen „Unser Haus verfolgt eine No-Bonus-Policy für alle Mitarbeiter“

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Welche Arten von Anlegern wollen Sie in Deutschland ansprechen?

Justen: Wir sprechen das Private-Wealth-Segment an. Hierzu zählen wir Banken aus dem genossenschaftlichen und dem Sparkassensektor, Privatbanken, Dachfonds, aber auch unabhängige Vermögensverwalter. Speziell das Thema dänische Pfandbriefe ist sehr attraktiv für institutionelle Investoren wie Versorgungswerke und Stiftungen.

Privatanleger betreuen wir nicht direkt, sondern sehen uns als Produktlieferanten für unsere Partner im B2B-Bereich.

Was zeichnet Jyske gegenüber anderen Fondsgesellschaften aus?

Justen: Das ist, meine ich, ein gewisser Grad an Unaufgeregtheit. Wir sind mit dem Standort Silkeborg weit weg von den klassischen Finanzzentren, schaffen es aber trotzdem, sehr gute und stabile Ergebnisse zu bringen.

Woran machen Sie Unaufgeregtheit ganz konkret fest?

Justen: Diese Gelassenheit spiegelt sich zum Beispiel in der internen Kommunikation wider. Die Stimmung im Team ist ziel- und leistungsorientiert, dabei jedoch wesentlich entspannter, als ich es aus angelsächsischen Häusern kenne. Teamwork und Transparenz sind Teil unserer Strategie, eine No-Bonus-Policy ist für alle Mitarbeiter tief in unserer Philosophie verankert. Viele Fondsmanager arbeiten seit vielen Jahren hier. Die Produktpolitik ist langfristig ausgelegt und wir machen nicht jeden Trend mit. Daher haben viele unserer Produkte einen sehr langen Track Record. Der JI Stable Strategy Fund zum Beispiel wurde im Jahr 2000 aufgelegt. Zu dem Zeitpunkt war in Deutschland das Thema Multi Asset kaum gefragt.

Deutsche gelten als sparbuchverliebt und sind hartnäckige Anhänger von unrentablen Zinsinvestments. Was kann man als Asset Manager dagegen tun?

Justen: Ich glaube, der Markt ändert das gerade. Die Anleger spüren die Niedrigzinsen – beziehungsweise gar keine Zinsen mehr auf dem Sparbuch. Zusätzlich zieht die Inflation wieder leicht an. Um keinen Kaufkraftverlust zu erleiden, ist jeder gezwungen, sich von der traditionellen Sparbuchmentalität zu lösen. Der starke Run auf Mischfonds, den wir in den letzten Jahren gesehen haben, wurde auch dadurch ausgelöst, dass die Anleger Mischfonds bereits als Alternative zu defensiven Festgeldern und Sparbüchern entdeckt haben. Das ist sicherlich auch eine Herausforderung für Asset Manager, die Kunden in ihren Erwartungen nicht zu enttäuschen.

Wie wirkt sich die Finanzmarktrichtlinie Mifid II auf den Vertrieb aus?

Justen: Mifid II verlangt weitere Transparenz hinsichtlich Kosten und Gebühren von Asset Managern, aber auch von den Intermediären. Aktuell sind die Anforderungen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. In einigen europäischen Ländern ist vorab bereits ein Provisionsverbot in diskretionären Mandaten umgesetzt worden. Dies führt einerseits zu sinkenden Margen, andererseits aber auch zu einer spezifischeren Nachfrage. Auch im übrigen Europa tritt das Thema Provisionsverbot mehr und mehr in den Vordergrund. Dadurch verändert sich etwas auf der Ebene der Anteilsklassen vieler Fonds.

Was denn konkret?

Justen: Der Berater muss zukünftig nicht nur entscheiden, ob ein Produkt in das Risikoprofil eines Kunden passt, sondern auch die richtige Anteilsklasse mit dem richtigen Gebührenmodell wählen. Fondsgesellschaften müssen unter Umständen eine Vielzahl von Anteilsklassen in unterschiedlichen Währungen und Kosten anbieten. In diesem Jahr haben wir unsere Kernstrategien im Jyske-SICAV, einer Luxemburger SICAV-Lösung, gebündelt. Das erlaubt uns, zeitnah und flexibel auf die Bedürfnisse unserer Investoren einzugehen.

Können Sie auf die Bedürfnisse in jedem Land individuell eingehen?

Justen: Wir fokussieren uns außerhalb unseres Heimatmarktes auf Schweden, Norwegen sowie den deutschsprachigen Markt. Der SICAV ist als Rechtsform ein global anerkanntes Instrument, das uns den besten Zugang zu diesen Märkten gibt. Wir werden außerdem zeitnah das Team in Deutschland weiter ausbauen, um weiter wachsen zu können.

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