Kein Grexit?

Griechische Staatsanleihen schießen in die Höhe

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Während für Griechenland beim Treffen der Finanzminister der Euro-Länder heute Nachmittag in Brüssel zur Diskussion über eine Verlängerung der Finanzhilfen viel auf dem Spiel steht, machen die Bond-Investoren des Landes einen überraschend optimistischen Eindruck.

Zwar sagen Strategen der Commerzbank, dass es eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent für einen Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion gibt. Und Strategen von Barclays halten das Ausstiegsrisiko für noch höher als während der Schuldenkrise von 2012. Doch der Bloomberg Greece Sovereign Bond Index zeigt, dass diejenigen, die Geld im Einsatz haben, kein deutlich höheres Risiko für einen Euro-Ausstieg sehen.

Der Index, ein nach Marktwert gewichtetes Barometer für die griechischen Staatsanleihen, notierte zum Handelsschluss am Donnerstag bei 90,89 und lag damit 24 Prozent über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Der Index liegt auch mehr als fünfmal höher als 2012 mit 17,2 als das Land ein internationales Rettungspaket beantragen musste, dem die größte Umschuldung in der Geschichte folgte.

“Jetzt ist es viel ruhiger”, sagt Allan von Mehren, Chefanalyst bei Danske Bank in Kopenhagen. “2012 gab es die große Angst, dass das ganze Währungssystem kollabieren würde. Die meisten Leute erwarten jetzt, dass es zu einer Lösung kommen wird.”

Diese optimistische Ansicht vertreten auch Investoren wie Pacific Investment Management Co. und der Hedgefonds Greylock Capital Management. Sie sagten im Januar nach dem Wahlsieg der Syriza-Partei, die gegen das Sparprogramm ist, die Staatspapiere würden Chancen bieten und seien kaufenswert.

“Vergleicht man die aktuellen Spreads und Kursbewegungen mit 2012, ist das ein ganz anderer Markt”, sagt Daniel Lenz, Leitender Marktstratege bei der DZ Bank in Frankfurt. 2012 sei das Risiko eines Zahlungsausfalls eingepreist gewesen. Doch das derzeitige Renditeniveau weise auf einen weniger angespannten Markt hin.

Ob das so bleibt, dürfte davon abhängen, welche Fortschritte heute die Verhandlungen der Euro-Finanzminister mit Griechenland bringen. Das derzeitige Rettungsprogramm läuft Ende Februar aus. Griechenland hatte am Donnerstag eine Verlängerung beantragt. Die Regierung möchte dabei einige der Sparauflagen zurückdrehen. Das stößt auf Widerstand bei den Kreditgeberländern.

Zwar signalisieren Kreditausfallswaps eine Wahrscheinlichkeit von 69 Prozent, dass Griechenland in den nächsten fünf Jahren zahlungsunfähig wird. Doch lag die Wahrscheinlichkeit dafür am 2. März 2012 noch bei 99 Prozent.

Da das Risiko eines Ausstiegs aus dem Euro als weniger wahrscheinlich gilt, erwarten die größten Investoren auch nicht, dass sich der Paria-Status Griechenlands wiederholen wird.

“Wenn wir uns Griechenland ansehen, halten wir es für viel tragfähiger, als man annehmen mag”, sagt Alan Higgins, als Investmentchef Großbritannien bei Coutts & Co. in London für die Kapitalanlagen verantwortlich, im Interview mit Bloomberg Television am 17. Februar. “Ein Ausstieg ist sehr unwahrscheinlich.”

Die griechischen Staatsanleihen werden nach seiner Einschätzung bei einer Einigung eine Rally hinlegen “und wir würden potenziell hineinkaufen”, sagte er.

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