Klaus Kaldemorgen

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„Ich würde die Finger davon lassen“

DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen rät Anlegern im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, sich den Blick für das Wesentliche zu bewahren. Sie dürften sich nicht von Detailinformationen ablenken lassen, die auf sie einprasseln.

„Es geht darum, in all dem Nachrichtenlärm nach Ungleichgewichten Ausschau zu halten, nach Anomalien“, so Kaldemorgen weiter. „Das ist es im Kern, was die Arbeit eines Fondsmanagers ausmacht: Wir sind tagein, tagaus auf der Suche nach Missverhältnissen in der Kursentwicklung von Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen.“

Diese Missverhältnisse könne man jedoch nur erkennen, wenn man verstehe, wie die einzelnen Märkte miteinander zusammenhingen. „Wenn ein Markt in Brand gerät, hat dies auch immer Auswirkungen auf alle anderen“, ist sich der Fondsmanager sicher.

Eine Verzerrung – wenn auch noch keinen wirklichen Brand – sieht Kaldemorgen in den Kursentwicklungen an den Anleihemärkten. „Die Notenbanken halten die Zinsen künstlich niedrig – so niedrig, dass viele Investoren bei der verzweifelten Jagd nach Rendite ohne Zögern hochspekulative Anleihen ins Depot legen“, erklärt der Fondsmanager seinen Eindruck.

„Dabei bringen selbst die im Schnitt nur weniger als 5 Prozent Rendite ein – nicht ohne Grund hat man solche Papiere lange als Schrottanleihen bezeichnet.“ Das Risiko beim Kauf werde nicht mehr entsprechend bezahlt. „Ich würde die Finger davon lassen“, meint er weiter. „Im Vergleich dazu sind Aktien immer noch recht günstig.“

Auf dem Aktienmarkt sehe er trotz Dax-Höchststand keine Blase. Die niedrigen Zinsen würden zwar dazu führen, dass Investoren nach Anlagen mit höheren Renditechancen suchen – und das seien nun mal vor allem Aktien –, aber Kaldemorgen hat noch ein weiteres Argument für diese Anlageklasse: „Wer Aktien kauft, profitiert auf diese Weise vom Erfinderreichtum und der Produktivität der Unternehmen in aller Welt.“

Die Ruhe an der Börse – die geringen Schwankungen und die optimistischen Anleger – machen den Fondsmanager allerdings nervös. „Zurzeit sichern professionelle Investoren ihre Aktienkäufe kaum durch Optionsgeschäfte ab“, erklärt Kaldemorgen. „Mit anderen Worten: Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass an den Börsen etwas schiefgehen kann.“ Diese geringe Wahrnehmung der Risiken hält er für eine ungesunde Entwicklung.

Ihn beunruhigt dabei vor allem ein bisher kaum besprochenes Ergebnis der geringen Zinsen: „Sie ermöglichen es bestimmten Marktteilnehmern wie beispielsweise privaten Beteiligungsgesellschaften, sich ungeheuer günstig zu verschulden und mit diesem Geld Firmenübernahmen zu finanzieren“, erklärt Kaldemorgen. „Noch sehen wir dies zwar nicht im großen Stil: Aber wenn Marktakteure mit relativ geringem Eigenkapital große Übernahmen stemmen, führt dies in aller Regel zu Problemen – künstlich aufgeblähte Kurse sind die Folge.“ Wer billig an Kredite komme, setze das Geld eben meist nicht gerade sinnvol ein.

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