Kosmetische Operation Was ein Aktien-Split wirklich bringt

In den 90er Jahren war er an der Tagesordnung, und offenbar ist er jetzt wieder da: der Aktien-Split. Wenn Unternehmen ihre eigenen Aktien als optisch zu teuer empfinden, teilen sie sie einfach auf. Altaktionäre haben dann automatisch mehr Aktien im Portfolio, aber jede einzelne ist weniger wert. Damals zerbröselten Hightech-Firmen regelmäßig ihre Anteilsscheine, damit auch Anleger mit schmalem Budget noch welche kaufen konnten.

Jetzt zerteilen Apple und Tesla ihre Aktien. Wer am vergangenen Freitag eine Apple-Aktie hatte, der hatte am Montag vier. Bei Tesla wurden aus einer Aktie fünf neue, kleine Aktien. Rein inhaltlich ändert sich aber nichts, es ist eine rein kosmetische Operation. Jeder Aktionär bleibt zum gleichen Grad am Unternehmen beteiligt.

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Was das aber für den Aktienkurs bringt, wollte jetzt Senior-Analyst Maximilian Kunz von HQ Trust herausfinden. Dafür besah er knapp 7.500 Aktien-Splits seit dem Jahr 1981. Darin sind auch sogenannte Reverse Aktien-Splits enthalten, bei denen ein Unternehmen seine Aktien zusammenlegt, damit sie nicht zu billig erscheinen.

Bei seiner Analyse berechnete Kunz, wie sich eine Aktie gegenüber dem Durchschnitt aller Aktien aus demselben Land entwickelte. Zeitraum ist das Jahr vor dem Aktiensplit und das Jahr danach.

Bei Apple folgert er folgendes:

Die Aktie von Apple konnte nach der Verkündung des geplanten Splits ihre fulminante Performance fortsetzen. Auch die Ankündigung von Tesla einen Aktien-Split durchzuführen, hat den Kurs stark angefeuert. Zwischen der Ankündigung und dem tatsächlichen Split hat die Aktie in Euro um mehr als 50 Prozent zugelegt – ohne dass neue fundamentale Daten bekannt geworden wären.

Kunz stellte fest, dass der Split in den meisten Fällen der Höhepunkt ist. Danach laufen die Aktien eher unterdurchschnittlich. Nur 34 Prozent der zerteilten Aktien liefen im Jahr danach besser als der Markt. Selbst wieder zusammengelegte Aktien konnten nicht mehr gegenüber dem breiten Markt aufholen. 64 Prozent von ihnen blieben weiter schwach.

Doch es gibt regionale Unterschiede, wie Kunz erklärt:

Während US-Unternehmen im Zeitraum vor dem Split die geringste Outperformance vorweisen, ist die Underperformance im Jahr nach dem Split dort am stärksten ausgeprägt.

Sein Fazit lautet deshalb: „Investoren sollten sich von einem Aktien-Split nicht blenden lassen, sondern ihre Entscheidungen weiterhin von den fundamentalen Eigenschaften einer Aktie und den Wachstumserwartungen an das Unternehmen abhängig machen.“

Anmerkung zur Studie:

Das untersuchte Universum umfasst alle Aktien, die seit 1998 zu irgendeinem Zeitpunkt im MSCI AC World enthalten waren. Ausgeschlossen wurden Aktien, die beim Split unter 2 US-Dollar notierten. Um die Daten aus 21 entwickelten Ländern belastbar vergleichen zu können, wurde die relative Performance gegen einen gleichgewichteten Index aus allen Aktien des Landes ermittelt. Dadurch weist der Vergleichsmarkt eine Tendenz zu Nebenwerten (Small-Cap-Bias) auf.

Mehr zu Kunz' Studie finden Sie hier.

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