Kostspielige Krise

Griechenland-Drama kostet Europas Aktienanleger 789 Milliarden Euro

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Der Stoxx Europe 600 Index kletterte zunächst und verzeichnete den größten Quartalsgewinn seit 2009, bevor es im Juni der schlechteste Monat in zwei Jahren wurde. Ein Drittel der diesjährigen Rally ging verloren, als das Börsenbarometer gegenüber dem Hoch am 15. April um 7,8 Prozent abschmierte.

In den Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern über die Freigabe einer Zahlung im Volumen von 7,2 Milliarden Euro aus dem Hilfsprogramm haben sich die Fronten verhärtet. Manche sehen das Treffen der Euro-Finanzminister am heutigen Donnerstag in Luxemburg als die letzte Chance für eine Einigung, damit es nicht zu einem Zahlungsausfall Griechenlands kommt. Andere halten ein Ergebnis für unwahrscheinlich. Fondsmanagern, die davon ausgegangen waren, 2015 die Früchte von Mario Draghis Programm zur geldpolitischen Lockerung (QE) ernten zu können, ist mittlerweile jede Lösung recht.

„Es ist wie eine Fernsehserie mit einer wirklich schlechten Handlung, die sich immer weiter dahin schleppt, von Staffel zu Staffel“, sagt Rosamunde Price, Chef-Investmentstrategin bei Seven Investment Management in London. Es habe das Jahr der wirklichen Erholung in Europa werden sollen, aber die Geschichte um Griechenland komme dem in die Quere.

Die Aktien-Volatilität der Region hat im Vergleich zu den USA ein Rekordhoch erreicht, und Investoren steigen zunehmend auf bare Mittel um. Der griechische ASE Index, der im laufenden Quartal bis Ende Mai mit die beste Entwicklung unter den westeuropäischen Aktienbarometern verzeichnete, weist nun die weltweit schlechteste Entwicklung seit Jahresbeginn auf.

„Gut oder schlecht - ein Investor braucht Klarheit“, sagt Sören Steinert, Associate Director Aktienhandel bei Quoniam Asset Management in Frankfurt. „Unsicherheit ist das schlechteste für den Aktienmarkt, weil man nicht weiß, wie man sich positionieren soll. Es ist eine Situation, wie wir sie nie zuvor hatten. Es ist eine Blackbox.“

Ohne die Griechenland-Probleme würde sich das Szenario für europäische Aktien ziemlich freundlich ausnehmen. Die Anreize der Zentralbank stärken die Konjunktur, und Analysten sagen voraus, dass sich dies bei den Unternehmen in einem Gewinnwachstum über drei Jahre von mehr als zehn Prozent niederschlagen wird.

Alles was Investoren brauchen, sei eine Lösung, sagt Javier Barrio, Aktienhändler bei Banco BPI in Madrid. „Falls die Verhandlungen zusammenbrechen, wird das die Märkte sehr kurzfristig treffen. Aber ich denke, es gibt zurzeit auch viele Investoren, die nur darauf warten, einzusteigen“, sagt Barrio. „Das makroökonomische Bild hellt sich auf.“

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