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Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken Welche geldpolitischen Schritte leiten die Emerging Markets ein?

Mark Mobius, Chef der Templeton Emerging Markets Group
Mark Mobius, Chef der Templeton Emerging Markets Group
In diesem Jahr rechnen wir mit einer abweichenden Geldpolitik der globalen Zentralbanken als Leitthema und voraussichtlichem Treiber von Anlageströmen. Vorerst scheinen die geldpolitischen Weichen auf Expansion gestellt. Denn allein im Januar 2015 führten 14 Zentralbanken in irgendeiner Form Lockerungsmaßnahmen durch – meist durch Zinssenkungen oder Anlagekäufe. Die dänische Zentralbank senkte die Zinsen besonders aggressiv – in diesem Jahr bereits viermal innerhalb von drei Wochen. Gleichzeitig kündigte die Europäische Zentralbank (EZB) Pläne für verstärkte quantitative Lockerungen (QE) nach dem Muster der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Bank of Japan (BoJ) an.

Auch in Schwellenländern erkennen wir gewisse Abweichungen in der Politik. Werfen wir einen Blick auf ein paar aktuelle politische Schritte und die Beweggründe dafür.

China: „Wir sorgen uns nicht um ein nachlassendes Wachstum“

Nach einer überraschenden Zinssenkung im November setzte die People’s Bank of China (PBOC) den Mindestreservesatz der Banken (RRR) am 4. Februar um 50 Basispunkte (0,50 Prozent) herab, um die Geldmenge um geschätzte 600 Milliarden Yuan (96 Milliarden US-Dollar) zu erhöhen. Außerdem kündigte die PBOC eine weitere Senkung des RRR für kleinere Finanzinstitute um 50 Basispunkte an – mit Schwerpunkt auf Mikrounternehmen und landwirtschaftlichen Krediten – sowie eine Verminderung des RRR für die Agricultural Development Bank of China (ADBC) um 400 Basispunkte (4 Prozent). Mit diesen Maßnahmen will die Regierung die Konjunktur ankurbeln, während etliche statistische Daten unerwartet schwach ausfallen. So auch das maßgebliche Barometer des Einkaufsmanagerindex (PMI) für das produzierende Gewerbe, das im Januar 2015 unter 50 fiel. Das von der chinesischen Regierung ausgewiesene Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) belief sich für das ganze Jahr 2014 im Jahresvergleich auf 7,4 Prozent gegenüber einem Vorjahresanstieg um 7,7 Prozent. Wir bei der Templeton Emerging Markets Group sorgen uns nicht um ein nachlassendes Wachstum in China und halten ein Wachstum von 7 Prozent und mehr für eine Volkswirtschaft dieser Größe für ziemlich robust. Dessen ungeachtet will die PBOC offensichtlich dafür sorgen, dass China ein globaler Wachstumsmotor bleibt. Weitere Lockerungsmaßnahmen im Jahresverlauf würden uns daher nicht überraschen.

Indien: Verbraucherpreisindex schafft Spielraum für politische Lockerungen

Auch Indien gehört trotz seines soliden BIP-Wachstums ins expansive Lager. Eine Abwandlung der Berechnungsmethode für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die Indiens BIP-Statistik an globale Standards angleicht, führte zu einer deutlichen Aufwärtskorrektur der neuesten BIP-Daten des Landes. Die zuletzt veröffentlichten Daten der indischen Regierung zeigen für das Haushaltsjahr bis März 2014 einen Anstieg des BIP-Wachstums im Jahresvergleich von zuvor 4,7 Prozent auf 6,9 Prozent an. Desgleichen wurde das Wachstum für das Haushaltsjahr 2012/13 im Jahresvergleich von 4,5 Prozent auf 5,1 Prozent revidiert.

Im Januar überraschte die Reserve Bank of India die Märkte mit einer Senkung des Leitzinses um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) auf 7,75 Prozent. Ein nachlassender Inflationsdruck veranlasste die Bank zur Herabsetzung der Zinsen im Rahmen ihrer Maßnahmen zur weiteren Steigerung des Wirtschaftswachstums. Am 3. Februar schließlich wurde die gesetzlich vorgeschriebene Liquiditätsquote auf 21,5 Prozent gesenkt, um die Kreditvergabebereitschaft der Banken zu steigern. Die Liquiditätsquote gibt vor, in welcher Höhe und Form Banken Reserven vorhalten müssen. Während Indiens Verbraucherpreisindex im Dezember 2014 von einem im November verzeichneten Rekordtief bei 4,4 Prozent im Jahresvergleich auf 5,0 Prozent stieg, lag er immer noch deutlich niedriger als die im Januar 2014 verzeichneten 8,8 Prozent. Dies schaffte Spielraum für politische Lockerungen. Der Chef der Reserve Bank of India, Raghuram Rajan, verwies auf niedrigere Ölpreise als Ursache für nachlassende Inflationsgefahr im Land und stellte weitere Zinssenkungen in Aussicht. Russland: „Die Geldpolitik allein kann die Probleme des Landes nicht lösen“ Um die Binnenwirtschaft anzukurbeln, senkte die russische Zentralbank im Januar ihren Leitzins um 200 Basispunkte (2,0 Prozent) auf 15 Prozent. Zuvor hatte sie die Zinsen im Dezember von 10,5 Prozent auf 17 Prozent erhöht, um den russischen Rubel zu stabilisieren und den Inflationsdruck zu lindern. Die Inflation kletterte im Dezember auf den höchsten Stand seit über fünf Jahren, was vor allem höheren Nahrungsmittelkosten geschuldet war. Der Verbraucherpreisindex erhöhte sich im Jahresvergleich von 9,1 Prozent im November sprunghaft auf 11,4 Prozent. In den letzten Monaten kündigte die Regierung ein Maßnahmenpaket im Volumen von mindestens 35 Milliarden US-Dollar an, um die Wirtschaftskrise im Land zu bewältigen. Dazu gehörten die Rekapitalisierung des Bankensystems mit 15,7 Milliarden US-Dollar und eine Kapitalspritze von 4,7 Milliarden US-Dollar in die staatliche Entwicklungsbank, um eine verstärkte Kreditvergabe zur Ankurbelung der Landeswirtschaft zu ermöglichen. Russland steht eindeutig vor einer ganzen Reihe von Problemen, die die Geldpolitik allein nicht lösen kann. Im Januar stufte die internationale Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonität des Landes von BBB- auf BB+ herab und entzog ihm damit den Investment Grade-Status. Dabei berief sie sich auf die schlechtere Qualität der Aktiva im Finanzsystem infolge des schwächeren Rubels, auf den beschränkten Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten aufgrund der Sanktionen und auf die für 2015 erwartete Rezession.