Market Timing Was Anleger vom amerikanischen Aktienmarkt lernen können

Tim Armour, Portfoliomanager Capital Group: „Meiner Ansicht nach sollte man in Zeiten wie diesen seinen Anlagehorizont verlängern. Man muss langfristig denken.“ | © Capital Group

Tim Armour, Portfoliomanager Capital Group: „Meiner Ansicht nach sollte man in Zeiten wie diesen seinen Anlagehorizont verlängern. Man muss langfristig denken.“ Foto: Capital Group

Vielen Menschen macht unsere schnelllebige Zeit Angst. So befürchten zum Beispiel 61 Prozent der Deutschen eine neue Finanzkrise, wie das Institut für Demoskopie Allensbach ermittelt hat. Rasche, dramatische Veränderungen können auch Investoren verunsichern. Bei fallenden Märkten geraten sie in Versuchung, die Aktienquote ihrer Portfolios zu senken. Dieses Verhalten tritt regelmäßig auf und so auch in den vergangenen Monaten wieder. Statt gelassen abzuwarten haben viele Investoren auf die jüngste Volatilität mit Panik und überstürzten Verkäufen reagiert.

Offensichtlich haben sie vergessen, dass in der Vergangenheit Turbulenzen und drastische Kurseinbrüche oft die besten Zeitpunkte für einen Einstieg waren. Es ist längst bewiesen: Wer langfristig denkt, hält fallende Kurse für weniger dramatisch und lässt sich durch sie nicht aus dem Konzept bringen. „Ich glaube, dass nichts wichtiger ist als langfristiges Denken“, ist Tim Armour überzeugt, Portfoliomanager bei Capital Group. „Man kann unmöglich prognostizieren, was heute oder auch nächste Woche an den Märkten passiert. Und es ist auch gar nicht nötig, um langfristig Vermögen aufzubauen.“

Phasen mit Kursverlusten sind normal

Hierfür muss man sich nur die Historie des Aktienmarktes vor Augen führen. Seit 1949 ist der S&P 500 neunmal um mindestens 20 Prozent gefallen. Im Durchschnitt gaben die Kurse in den Baisse-Phasen um 33 Prozent nach. Natürlich ist der Durchschnittsverlust von 33 Prozent nicht leicht zu ertragen. Aber noch viel schlimmer traf es Investoren, die auch nur einen Teil des anschließenden Kursanstiegs von durchschnittlich 268 Prozent verpasst haben. Ihnen wurde zum Verhängnis, dass Baissen mit durchschnittlich 14 Monaten wesentlich kürzer sind als Haussen; daher ist der richtige (Wieder-)Einstiegszeitpunkt nicht leicht zu finden – und wer es versucht, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch.

Der Beweis ist schnell erbracht: Die Ertragsvolatilität des S&P 500 in den vergangenen 60 Jahren etwa deutet darauf hin, wie sehr sich Investoren langfristig schaden können, wenn sie sich an diesem Market Timing versuchen. „Die letzten Monate waren volatil und in gewisser Weise überraschend. Man kann dann leicht versucht sein, kurzfristig zu denken“, schildert Carl Kawaja seine Bedenken. Er ist derselben Meinung wie sein Kollege Tim Armour: „Meiner Ansicht nach sollte man in Zeiten wie diesen seinen Anlagehorizont aber verlängern. Man muss langfristig denken.“