Jens Kummer von Mars Asset Management

Jens Kummer von Mars Asset Management

Mars Anlegerampel Juni 2015

Finger weg von Euro-Anleihen

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Neben dem Hickhack um Griechenland sind die steigenden Anleiherenditen das Thema der Stunde an den Finanzmärkten. 10-jährige deutsche Bundesanleihen büßten über sieben Prozent an Wert ein. Bei gegenwärtiger Verfallrendite von jährlich 0,9 Prozent müssen Investoren acht Jahre warten, bis die Verluste der letzten Wochen wieder ausgeglichen sind.

Wir haben bereits Anfang Mai Staatsanleihen und Ende Mai Unternehmensanleihen verkauft. Bis auf Weiteres zögern wir, diese Positionen wieder aufzunehmen, solange die Mars Anlegerampel kein grünes Licht gibt.

Wir gehen davon aus, dass sich die zuvor viel zu niedrigen Anleiherenditen einfach nur normalisieren. Übertriebene Erwartungen in das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank haben die Bewertungen von Anleihen auf extreme Niveaus befördert. Die aktuelle Kurskorrektur geht fast ausschließlich auf gestiegene Inflationserwartungen der Marktteilnehmer zurück.

Eine generelle Furcht oder gar Panik vor Anleihen erkennen wir jedoch nicht. Die Kreditausfallprämien auf Staatsanleihen sind sowohl im Kern des Euroraums (Deutschland) als auch in der Peripherie (Italien, Spanien) sogar geringfügig gefallen. Das heißt: Der Markt sieht sogar geringere Risiken als zuvor. Trotzdem besteht die Gefahr des weiteren Abrutschens und einer Verwerfung der Anleihekurse, da die Liquidität im Anleihehandel deutlich zurückgegangen ist. Viele Banken haben sich aus der traditionellen Rolle des Market Makers zurückgezogen und handeln kaum noch. Somit bleiben als Hauptakteure bei Anleihekäufen nur die Zentralbanken.

Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank

Die EZB kauft monatlich Anleihen für 60 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Auf ein DIN-A4-Blatt passen drei 500-Euro-Banknoten. In einer Minute schafft ein leistungsstarker Bürodrucker etwa zehn Vorder- und Rückseiten im Hochqualitäts-Vollfarbdruck. Bei permanentem Betrieb könnte er gerade einmal 0,65 Milliarden Euro im Monat drucken. Das 100-Fache kauft die EZB jeden Monat bis September 2016 am Kapitalmarkt auf. Diese immense Nachfrage sollte die Anleihekurse stützen.

Die Mars Anlegerampel belässt den Status von Euro-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen auf Rot. Ebenfalls hohe Risiken weisen Rohstoffe auf, die im aktuellen Umfeld gemieden werden sollten. Die anderen Assetklassen zeigen keine besonderen Risiken. Aktien bleiben für uns mit Blick auf die Renditeerwartung erste Wahl, auch wenn die Renditeerwartungen im historischen Vergleich niedrig sind.

Schwellenländer-Staatsanleihen weisen die höchste Renditeerwartung für das eingegangene Risiko auf. Wer heute in ein diversifiziertes Portfolio aus Emerging Markets Anleihen investiert, kann sich über eine Effektivverzinsung von jährlich 6,6 Prozent freuen und eventuelle Schuldnerausfälle besser überstehen als in vielen anderen Anleihesegmenten.

In den nächsten Wochen dürfte die Lage an den internationalen Kapitalmärkten zunehmend schwieriger werden. Den ersten Zinsschritt der FED erwarten viele Beobachter im Herbst. Aber auch die EZB könnte zu der Erkenntnis kommen, dass ihre Anleihekäufe zur Bildung von Kursblasen führen könnte.


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