Martin Hüfner: Lehren aus der Italienkrise

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Fehlendes Vertrauen

Monetär sind die Zinsen für italienische Staatsanleihen höher als das die fundamentalen Gegebenheiten rechtfertigen. Das zeigt die Unsicherheit der Investoren. Sie kann jederzeit wieder eskalieren.  

Wirtschaftlich steckt Italien tief in Rezession und Arbeitslosigkeit. Im vierten Quartal 2012 lag die reale Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent unter dem Vorjahr. Die Arbeitslosigkeit betrug zuletzt 11,7 Prozent.

Das sind Belastungen, die eine demokratische Gesellschaft auf Dauer kaum aushalten kann. Die Eurokrise mutiert zunehmend von einer Strukturkrise mit hoher Verschuldung und mangelnden Reformen zu einer Konjunkturkrise.

Zwei Lehren sind aus der Situation zu ziehen. Erstens muss alles getan werden, dass das Wachstum wieder anspringt. Sonst kann sich der „Fall Italien“ in anderen Ländern wiederholen (wo es dann vielleicht nicht so kreative Politiker gibt).

Wenn das nicht durch eine Belebung der Weltkonjunktur (und eine Zunahme der Nachfrage aus den Partnerländern) gelingt, dann muss es durch Zinssenkungen und eine vorsichtige Lockerung der Sparpolitik geschehen. Das wird eine schwierige Gratwanderung. Einerseits dürfen die bisherigen Erfolge bei der Konsolidierung nicht gefährdet werden. Andererseits muss die Nachfrage aber so zunehmen, dass die Arbeitslosigkeit zurückgeht.  

Zweitens muss man über eine Anpassung des institutionellen Rahmens der Währungsunion nachdenken. Man kann man nicht davon ausgehen, dass Politiker auch in anderen Staaten so geschickt mit der Situation umgehen, dass es zu keiner Eskalation an den Finanzmärkten kommt.

Man sollte daher überlegen, ob man beim Rettungsschirm ESM (nicht bei der Europäischen Zentralbank) nicht eine zusätzliche Fazilität für den Fall schafft, dass Wahlen in einem Land nicht so schnell zu einer handlungsfähigen Regierung führen. Mit ihr sollte an den Kapitalmärkten für begrenzte Zeit auch ohne ein Stabilitätsprogramm interveniert werden können. Der ESM würde sich dann weiter in Richtung auf einen Europäischen Währungsfonds bewegen.   

Für den Anleger

Auch wenn die Situation in Italien noch unübersichtlich ist und zu Rückschlägen führen kann, setze ich darauf, dass sich die Lage normalisieren wird. Es wird nur etwas länger dauern. Ich halte daher Investitionen in italienische Staatsanleihen und in Aktien guter Unternehmen auf dem derzeitigen niedrigeren Niveau für vertretbar. Man muss dabei aber gute Nerven haben, denn es kann Rückschläge geben.   

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