Andreas Weiß, Fondsmanager und Abteilungsdirektor bei Hauck & Aufhäuser Asset Management (Foto: Sebastian Widmann)

Andreas Weiß, Fondsmanager und Abteilungsdirektor bei Hauck & Aufhäuser Asset Management (Foto: Sebastian Widmann)

Mischfonds von Hauck & Aufhäuser

Herr Weiß, fürchten Sie sich vor der Zinswende?

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DAS INVESTMENT.com: Sie können beim H&A Rendite – Rendite Plus bis zu 20 Prozent Aktien beimischen. Haben wir zurzeit ein solches Umfeld?

Andreas Weiß: Wir haben ein sehr positives Umfeld, keine Frage. Allerdings sind die Märkte auch schon relativ gut gelaufen, und es gibt einige Krisenherde in der Welt, die jederzeit hochkochen können.

Das heißt für die Aktienquote?


Unsere strategische Ausrichtung liegt bei 90 Prozent Renten und 10 Prozent Aktien. Wir haben Aktien derzeit übergewichtet, die Quote liegt aktuell bei etwa 15 Prozent.

Bei der Allokation verzichten sie vollständig auf Prognosen. Stattdessen steuern Sie die Höhe der Aktienbeimischung über ein quantitatives Modell. Wie funktioniert das?


Ich bin grundsätzlich fundamental orientiert. Allerdings sind die Fundamentaldaten manchmal etwas träge, weil sie beispielsweise nur monatlich erhoben werden. Wir haben daher zwei Bausteine. Beim ersten quantitativen Baustein werten wir globale volkswirtschaftliche Daten, wie Zinsniveau, Konjunktur oder Geldmenge sowie ihre Auswirkungen auf die Aktienmärkte aus.

Verfeinert wird die Quotensteuerung durch einen zweiten Baustein. Dabei handelt es sich um ein Trendfolgemodell, das die Aktien des Eurostoxx 50 analysiert. Befindet sich die Mehrheit der Aktien im Aufwärtstrend, stocken wir die Quote weiter auf. Bei vorherrschendem Abwärtstrend wiederum werden dann Aktien abgebaut.

Was ist, wenn Ihr Bauchgefühl mal anderer Meinung als Ihr Modell ist?


Durch den täglichen Newsflow werden Fondsmanger permanent beeinflusst. Es ist jedoch schwierig, kurzfristige Stimmungen einzuschätzen. Daher ist es wichtig, dass man sich auf die relevanten Fakten konzentriert. Das Bauchgefühl kann oftmals trügen.

Gab es Situationen, in denen Ihr Modell schon mal daneben lag?

Völlig daneben nicht. Aber Sie können in der Regel nicht so schnell auf bestimmte Ereignisse reagieren, etwa auf die Aussagen eines Politikers. Meist sind dadurch ausgelöste Bewegungen allerdings nur sehr kurzfristig. Und man läuft bei überstürzten Handlungen Gefahr, prozyklisch in eine Gegenbewegung hinein zu investieren.

Und Sie bevorzugen Einzeltitel-Auswahl.


Viele Studien belegen, dass die Allokation für den Großteil der Performance eines Misch- oder Absolute-Return-Fonds verantwortlich ist. Mit der Titelselektion können Sie lediglich ein wenig zusätzlich verdienen. Unserem konservativen Ansatz entsprechend wählen wir grundsätzlich nur Investments aus der Eurozone aus.

Auf der Aktienseite verfolgen wir eine Dividendenstrategie. Eine solche Auswahl ist deutlich weniger schwankungsfreudig als etwa eine Wachstumsstrategie. Auf der Rentenseite wählt mein Kollege Claus Weber Papiere aus, die ganz überwiegend mindestens Investmentgrade aufweisen.

Sie wollen langfristig 4 Prozent pro Jahr erwirtschaften. Sind Sie am Ende jedes Kalenderjahrs im Plus?


Der Fonds ist kein Garantieprodukt. Es kann durchaus ein Jahr mit einer geringfügig negativen Rendite geben. Aber durch unsere strategische Ausrichtung haben wir eine Art natürliche Absicherung.

Wie erreichen Sie Ihr Renditeziel in einem schwachen Anleihemarkt, wenn Sie fast nur in Euro-Anleihen aus dem Investmentgrade-Bereich investieren?


Hätten wir einen reinen Rentenfonds, würden wir dieses Ziel wohl verfehlen. Die Aktien-Allokation ist das Salz in der Suppe beim Fonds. Es ist entscheidend, zum richtigen Zeitpunkt im Aktienmarkt drin zu sein oder auch draußen.

Fürchten Sie sich vor der Zinswende?

In Euroland sehen wir noch keine Zinswende. Die EZB-Politik und die relativ steile Zinsstrukturkurve machen das recht unwahrscheinlich. Zusätzlich unterstützt unsere breite Diversifikation. Kurzfristige Verluste sind nicht immer auszuschließen, langfristig sehen wir jedoch auch dann kein Problem, unser Renditeziel zu erreichen.

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Quelle: Hauck & Aufhäuser, Stand: 30. Juni 2014

Andreas Weiß

Der 43-Jährige ist seit 2006 Fondsmanager und Abteilungsdirektor bei Hauck & Aufhäuser Asset Management. Er ist für den Bereich Mischfonds sowie für das Management von 14 Fondsmandaten verantwortlich. Weiß startete seine Karriere 1997 als Research-Mitarbeiter bei der Bayerischen Vereinsbank und war Wertpapieranalyst bei der Baader Wertpapierhandelsbank, bevor er 2001 zu Hauck & Aufhäuser wechselte und dort zunächst als Wertpapieranalyst, dann als Aktien-Fondsmanager und Prokurist arbeitete.

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