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Aktualisiert am 03.01.2023 - 18:05 Uhrin Berufsbild BeraterLesedauer: 7 Minuten

Altersvorsorge in Deutschland „Hohe Inflation könnte Kunden zu vermehrtem Storno zwingen“

Mäßiger Andrang an einem Weihnachtsmarktstand
Mäßiger Andrang an einem Weihnachtsmarktstand: Ein aktuelles Rating liefert Daten zum wirtschaftlichen Erfolg, Vertragsbestand und der bilanziellen Sicherheit der Anbieter von Lebensversicherungen in Deutschland. | Foto: Mari Loli / Pixabay

Das Hofheimer Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) hat im Rahmen ihrer Studienreihe M&M Rating LV-Unternehmen die Bilanzen der Anbieter von Lebensversicherungen analysiert. Die daraus berechneten Quoten und Kennzahlen sollen die Entwicklungen innerhalb der Erfolgs-, Bestands- und Sicherheitsgrößen zeigen. Konkret geht es um 13 Bilanzkennzahlen der Lebensversicherer über den vergangenen Fünfjahreszeitraum von 2017 bis 2021. 

Sechs der Kennzahlen zeigen den Geschäfts- und Anlageerfolg der Unternehmen. Hier zeigten sich aktuell stabile Abschlusskosten- und Verwaltungskostenquoten. Die zunehmende Digitalisierung hingegen helfe, beispielsweise im Vertrieb Kosten zu senken. Der Kostendruck besteht allerdings auch weiterhin. Das gelte vor allem vor dem Hintergrund, in Zeiten einer Zinsflaute trotzdem noch eine auskömmliche Rendite bieten zu müssen. 

Kennzahlen im M&M Rating LV-Unternehmen 

Kennzahlen im M&M Rating LV-Unternehmen
>>Vergrößern! © MORGEN & MORGEN GmbH

Die Kennzahlen zur Ertragslage der Versicher zeigen ein ebenfalls positives Gesamtbild. So bleibt die Nettoverzinsung wegen der schwierigen Lage an den Kapitalmärkten zwar weiterhin niedrig. Doch die Entwicklung der Größe lässt sich mit den gesetzlichen Anforderungen zur Bildung der Zinszusatzreserve erklären. Hierfür sind die Versicherer gezwungen, genügend Kapitalerträge zu erzielen und im Zweifel Bewertungsreserven zu realisieren. 

Kennzahlen im Teil-Rating Erfolg 

Kennzahlen im Teil-Rating Erfolg 
>>Vergrößern! Kennzahlen im Teil-Rating Erfolg © MORGEN & MORGEN GmbH | Stand: 10/2022

Mit Einführung der Korridormethode, einer Erleichterung hinsichtlich der Höhe der zu bildenden Zinszusatzreserve, im Jahr 2018 ging die Nettoverzinsung deutlich zurück, Bewertungsreserven mussten in geringerem Maße realisiert werden. Und im Bilanzjahr 2021 fiel der Betrag, der der Zinszusatzreserve marktweit zugeführt wurde, erstmals seit 2018 wieder niedriger aus als im Vorjahr.

„Aufgrund der leichten Erholung am Kapitalmarkt ist davon auszugehen, dass die Zinszusatzreserve in den kommenden Jahren nicht weiter aufgebaut werden muss und es auch zum umgekehrten Fall, nämlich des Abbaus des Puffers kommen wird. Dies wird für Entspannung bei den Versicherern sorgen und auf lange Sicht den Kunden zugutekommen,“ erwartet Iris Portugall, Aktuarin und Spezialistin für Ratings bei M&M. 

Iris Portugall, Spezialistin für Ratings und Aktuarin bei M&M
Iris Portugall © MORGEN & MORGEN

Die Überschussquote bildet die Zuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) ab, dem Topf für die Überschüsse, die über die nächsten Jahre verteilt den Kunden zugeteilt werden. Wieviel dem Topf zugeführt wird, hängt von der Ertragslage der Versicherer im jeweiligen Jahr ab und ist somit recht volatil. Mit dem leichten Anstieg im Jahr 2021 zeigt die Überschussquote eine positive Tendenz.

Ebenfalls eine positive Tendenz zeigen die beiden Kennzahlen Zins-Überschussquote sowie Zins-Risiko-Überschussquote. Beide Quoten stellen die Rechnungszinsanforderung, also die Verpflichtung aus den zugesagten Zinsgarantien, den Ertragsquellen gegenüber, aus denen diese Verpflichtung finanziert werden muss. Bei der Zins-Überschussquote werden zunächst als Ertragsquellen nur die anzurechnenden Kapitalerträge betrachtet, sprich die Erträge aus den Kapitalanlagen, die direkt den Verpflichtungen zugeordnet werden. 

 

Aufgrund der schwierigen Lage der Kapitalmärkte kann diese Differenz auch negativ sein, dann müssen die Garantien aus anderen Quellen finanziert werden. Die Zins-Risiko-Überschussquote betrachtet zusätzlich weitere Kapitalerträge sowie das Risikoergebnis, das aus der zu vorsichtigen Ansetzung bei den Rechnungsgrundlagen resultiert. Beide Quoten zeigen nach einem Rückgang im Vorjahr nun wieder eine positive Entwicklung und belegen eine leichte Entspannung der Ertragslage.