Neue Pflichtangaben durch Mifid II Wie fehlende Fondsdaten den Vertrieb lahmlegen

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Rudolf Geyer, Ebase

„Orders werden abgelehnt“

Trotz des neuen europäischen Standards EMT gibt es am deutschen Markt aktuell ein Nebeneinander verschiedener Formate für den Datentransfer nach den Mifid-II-Regeln: „Grundsätzlich nutzen wir die Daten von WM Datenservice, im Hintergrund werden auch die Daten im EMT-Format berücksichtigt“, erklärt beispielsweise Rudolf Geyer, Geschäftsführer der European Bank for Financial Services (Ebase) aus dem bayrischen Aschheim.

„Dennoch fehlen auf diesem Informationskanal speziell für Investmentfonds aktuell noch zirka 30 Prozent der erforderlichen Daten der Produkthersteller. Daher nutzen wir zusätzlich eine eigene Produkt-Datenbank, in der wir die fehlenden Angaben – insbesondere zum Zielmarkt – pflegen und zusteuern.“

„Haftungsfragen vermeiden“

„Sollten bei einem bestimmten Produkt dennoch Informationen fehlen, widersprüchlich oder unvollständig sein, werden diesbezügliche Orders abgelehnt“, erklärt Geyer die drastischen Auswirkungen noch fehlender oder unvollständiger Daten zu Zielmarkt und aller Kosten der Produkte für die Praxis deutscher Fondsvermittler.

„Dies ist im Sinne aller Beteiligten und ist erforderlich, um eventuelle Haftungsfragen zu vermeiden und Mifid-II-konform zu handeln“, so der Chef der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Comdirect Bank, die zu den marktführenden Dienstleistern für Finanzvertriebe, Versicherungen, Banken, Vermögensverwalter, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Fintechs in Deutschland zählt.

Beratung nicht rechtssicher

„Die Auswirkungen sind nicht unerheblich“, kommentiert auch Hans-Jürgen Bretzke, Vorstand des Maklerpools Fondskonzept, die konkreten Auswirkungen unvollständiger Daten zu Zielmarkt und Kosten für die Praxis deutscher Finanzberater. „So können die entsprechenden Angaben bei der Beratung eines Kunden nicht mehr rechtssicher verwendet werden.“

 

„Genau genommen ist auch die Fondsvermittlung davon betroffen, da hier ebenfalls abgeglichen werden muss, für welche Kundenkategorie das Produkt geeignet ist und inwieweit es mit den Kenntnissen des Kunden übereinstimmt“, so Bretzke weiter. Als Konsequenz werde beispielsweise ein globaler Mischfonds aktuell nicht mehr von Fondskonzept-Vermittlern aktiv vertrieben, der im November noch zu ihren Top 10 zählte.