Themen
TopThemen
Fonds
Fondsanalyse
Mediathek
Märkte
Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender Finanz-Charts Globale Märkte Krypto-Kurse (in Echtzeit) Währungen (in Echtzeit)
Heike Faller

Heike Faller

„Niemand kann das Finanzsystem verstehen“

//

DAS INVESTMENT.com: Im Krisenjahr 2008 haben Sie ein Jahr Auszeit genommen, um innerhalb dieser Zeit 10.000 Euro zu verdoppeln. Was ist aus dem Geld geworden? Heike Faller: Es ist mehr oder weniger bei den 10.000 Euro geblieben. DAS INVESTMENT.com: Das ist aber nicht die 100-prozentige Rendite, die Sie angestrebt hatten. Waren Sie sehr enttäuscht? Faller: Anfangs schon. Wenn man aber bedenkt, dass in dieser Zeit fast ein Viertel aller Hedge-Fonds-Manager pleite ging, ist es ein Ergebnis, über das heute keiner mehr lacht. DAS INVESTMENT.com: Was haben Sie während Ihres „Börsenjahres“ gelernt? Faller: Als Erstes natürlich die Börsensprache, in die ich mich verliebt hatte. Wenn es um das eigene Geld geht, bekommen die einfach klingenden Fachausdrücke wie beispielsweise „short“ und „long“ eine ganz andere Bedeutung. DAS INVESTMENT.com: Und was noch? Faller: Am interessantesten war für mich die Erkenntnis, dass niemand das gesamte Finanzsystem wirklich versteht. DAS INVESTMENT.com: Wirklich niemand? Faller: Nein, nicht einmal die ausgewiesenen Finanzexperten oder erfolgreichen Spekulanten. Das liegt daran, dass man dieses System auch gar nicht verstehen kann. DAS INVESTMENT.com: Wie meinen Sie das? Faller: Dazu hat Soros eine sehr interessante Theorie entwickelt, die es meiner Meinung nach genau auf den Punkt trifft. Bei dem Finanzsystem handelt es sich im Grunde um ein soziales Phänomen. In dem Moment, in dem Menschen versuchen, soziale Phänomene zu interpretieren, verändern sie diese gleichzeitig, weil sie Teil des Ereignisses sind, das sie begreifen wollen. DAS INVESTMENT.com: Sie schreiben, dass Sie bei vielen wichtigen Entscheidungen sich fragten: Was würde Soros tun? Worin liegt Ihrer Meinung nach sein Erfolgsgeheimnis? Faller: Soros Erfolgsgeheimnis leitet sich zum Einen aus der philosophischen Erkenntnis ab, dass wir die Märkte nicht beurteilen können. Aber auch sein unheimlich gutes Gespür für historische Entwicklungen dürfte zu seinem Erfolg beigetragen haben. Dieses geschärfte Bewusstsein dürfte während seine Kindheit und Jugend als ein jüdischer Junge während des Nazi-Regimes geprägt worden sein, als er mit 14 Jahren die Identität eines Pfadfinders namens Sandor Kiss angenommen hatte, um der Deportation zu entgehen. DAS INVESTMENT.com: Und was halten Sie von all den anderen Fondsmanagern und Finanzexperten, die Sie während Ihres Börsenjahres getroffen haben? Faller: Ich war sehr überrascht festzustellen, dass die Klischees, die ich bis dahin über diesen Menschenschlag gehört hatte, absolut nicht stimmen. DAS INVESTMENT.com: Inwiefern nicht? Faller: Nehmen wie beispielsweise das Vorurteil, alle, die in der Finanzbranche arbeiten, seien Gierhälse. Die Gier gehört in dieser Branche zwar schon dazu. Aber der Grund für die Gier von Fondsmanagern und Brokern ist nicht ihre Charakterschwäche, sondern das System, das gieriges Verhalten begünstigt. Ansonsten sind es wirklich ganz sympathische Menschen, mit denen man sich auch gut privat unterhalten kann. DAS INVESTMENT.com: Und wie fühlt man sich so als Frau in einer männerdominierten Branche? Faller: Es war für mich als Frau einfacher, da vorzudringen. Die Männer haben ein unglaubliches Redebedürfnis und sind froh, jemandem von ihren Geschäften erzählen zu können. Gerade, wenn dieser Jemand eine Frau ist. Sie sind es wohl nicht gewohnt, dass Frauen ihnen zuhören, wenn sie von ihren Geschäften erzählen. Ich musste sie nur reden lassen. Ich habe während meines „Börsenjahrs“ lediglich eine einzige Frau in der Branche getroffen – die Vizepräsidentin für Lehman Europa. DAS INVESTMENT.com: Ihre Schilderungen der Finanzexperten hören sich sehr sympathisch an. Treffen Sie sich immer noch mit einigen von ihnen? Faller: Das würde ich gerne machen, aber keiner von ihnen wohnt in Berlin. DAS INVESTMENT.com: Wie sah ihr Alltag als Spekulantin aus? Faller: Lesen, lesen und lesen. Das ist gerade als Anfängerin sehr wichtig, um die Märkte besser beobachten zu können. DAS INVESTMENT.com: Haben Sie es sich überlegt, das Spekulieren zu ihrem Hauptberuf zu machen? Faller: Ja, eine Zeitlang hatte ich tatsächlich eine Phase, in der ich darüber nachgedacht habe. Aber nach dem Jahr hat sich das wieder gelegt. DAS INVESTMENT.com: Warum? Faller: Ich hatte erkannt, dass die Märkte nicht das tun, was ich mir vorstelle. DAS INVESTMENT.com: Hatte diese Entscheidung nicht eher etwas mit Ihren Verlusten im Zuge der Finanzkrise zu tun? Wie viel hat sie zum Beispiel die Pleite der Lehman-Brothers gekostet? Faller: Gar nichts, sie hat mir sogar noch rund 800 Euro eingebracht. Ich hatte mir nämlich schon einen Monat vorher ein „Portfolio Miserabilis“ zusammengestellt, in dem Put-Optionen auf verschiedene Banken, unter anderem auch Lehman, enthalten waren. DAS INVESTMENT.com: Anfang 2008 fuhren Sie mit einem Fondsmanager nach Kurdistan, um irakische Aktien zu kaufen. Wie kamen Sie auf Irak als Investmentziel? Faller: Ich habe viel von Emerging Markets gehört. Nun redete alle Welt von China – da fand ich es schon zu spät, dort einzusteigen. Also habe ich mich auf die Suche nach einem neuen „China“ gemacht. Bei einem Zeitungsartikel über die sogenannten Pre-Emerging-Markets bin ich dann fündig geworden: das Investmentziel hieß Irak. Das Land hat große Ölreserven. Außerdem hatten es die Amerikaner inzwischen geschafft, das Land weitgehend zu stabilisieren. DAS INVESTMENT.com: Hatten Sie bereits vorher Erfahrungen mit diesem Land gemacht? Faller: Ich hatte bereits eine oder zwei Geschichten über Irak geschrieben. Aber das ist unwichtig – für gute Investments wäre ich auch nach Namibia oder in ein anderes, mir völlig unbekanntes Land gegangen. DAS INVESTMENT.com: Wie sind Sie jetzt aufgestellt? Faller: Zur Zeit bin ich ausschließlich in Edelmetalle investiert. Ich müsste jedoch dringend nach Bayern fahren, wo mein Schatzkästlein in der Sparkasse liegt, in der alles angefangen hat. Ich habe beschlossen zu diversifizieren: ein Drittel Edelmetalle, ein Drittel Aktien, rund 20 Prozent Staats- und Unternehmensanleihen sowie Bargeld und rund 10 Prozent Risikoanlagen – im Irak. Hier können Sie das Buch direkt bestellen

Mehr zum Thema
„Hätte ich gekonnt, wäre ich in Aktien gegangen“
„Ich rechne mit einem Crash an den Emerging Markets“
nach oben