Martin Brieler

Martin Brieler

Porträt: Martin Brieler

„Wenn ich in der Finanzbranche nachhaltig erfolgreich sein will, muss ich im Sinne des Anlegers denken, ohne dass ich ihm ständig alles erklären kann. Da hilft realistisch nur ein gutes Produkt“, sagt Martin Brieler.

Der Vertriebschef des Initiators ILG weiß, dass die Informationen im Markt asymmetrisch verteilt sind: „Insofern spielt Vertrauen eine große Rolle. Und der Berater hat die Aufgabe, verantwortlich zu handeln.“

Denn Ehrlichkeit und Kompetenz eines Emissionshauses sind nicht allein dem Fondsprospekt zu entnehmen. Brieler: „Der Koch ist entscheidend, nicht die Speisekarte. Und bei den Anlegern geht es immer um den Einzelnen. 10.000 Euro sind für viele eine Menge Geld.“

Schnell wird klar: Über plakative Vertriebsstorys redet der 50-jährige studierte Kaufmann weniger. Dafür mehr über Argumente, Glaubwürdigkeit und konsequentes Handeln.

„Natürlich gibt es die Gefahr, dass man sich etwas schönguckt“, sagt er. „Doch ein Immobilienfonds, der 12 Prozent Ausschüttung in Aussicht stellt und 16 Prozent Provision kalkuliert, kann kein gutes Geschäft für den Anleger sein. Niemals.“

Als Brieler vor zwölf Jahren in die Branche einstieg, passte die ILG-Philosophie für ihn perfekt: „Wir wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis. Wir hatten Phasen, in denen wir bis zu zwei Jahre kein Objekt gefunden haben, das unseren Ansprüchen genügte“, so Brieler.

Kein Getriebener der Börsen

Brieler sieht es als klaren Vorteil, für ein mittelständisches Haus zu arbeiten: „Wir sind kein Getriebener eines anonymen Mehrheitsgesellschafters oder des Aktienmarkts. Und wie verhält sich ein Geschäftsführer, der nur einen Dreijahresvertrag hat?“

Doch gelte es nicht zu pauschalisieren: „Die besten Initiatoren sind tatsächlich inhabergeführt – die schlechtesten allerdings ebenso. “Mitschuld an der Krise gerade bei Schiffsfonds gibt Brieler aber auch dem Staat. So ermöglichte seines Erachtens die Tonnagesteuer, mit der Schiffe ihre Frachten pauschal versteuern können, eine ähnliche Fehlallokation wie etwa die Sonderabschreibung bei Ost-Immobilien.

„Gleich mehrere Objekte vorab zu bestellen – die Chuzpe hätten wir nie“, so Brieler. „Wenn wir eine Immobilie auf den Büchern haben, müssen wir sie zunächst platzieren. Erst dann kann die nächste kommen. “

Was wünscht er sich zusätzlich zur laufenden Regulierung seiner Branche? „Wir müssen weg von hohen Front-up-Provisionen, die problematische Anreize setzen“, so Brieler.

Gut wäre es seiner Meinung nach, wenn die Berater ein kleineres Agio und eine Bestandsvergütung proportional zu den Mieteinnahmen bekämen. „Dann würden sie am Risiko teilhaben und viele vorn anders beraten. Aber das wir man wohl erst durchsetzen können, wenn der Staat das vorgibt.“ Bei aller Freiheitsliebe – so viel Realismus muss sein.

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