Jens Rautenberg ist Gründer von Conversio | Wahre Werte, einem Analysehaus für Wohnimmobilien. | © Conversio Foto: Conversio

Rally geht 2021 weiter

Unsicherheit bewirkt Anleger-Flucht in Wohnimmobilien

Es gibt Akteure am Immobilienmarkt, die den Corona-Schock mit jenem der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren vergleichen – oder mit den wirtschaftlichen Folgen des 11. September 2001. Allerdings gibt es auch Beobachter, die eher einen verhältnismäßig kurzen Abschwung vermuten. Demnach geht es zwar steil nach unten in die Rezession, aber es soll auch verhältnismäßig schnell wieder nach oben gehen – unter anderem aufgrund der Konjunkturprogramme und der rasch implementierten Unterstützungsmaßnahmen.

Bulwiengesa hat zu einem frühen Zeitpunkt geschätzt, dass der konjunkturelle Impuls bereits ab dem zweiten Halbjahr 2020 spürbar sein könnte. In welchem Umfang tatsächlich schon so bald ein positiver Schub sichtbar wird und ob und wie stark dieser einzelne Sparten der Immobilienwirtschaft beflügelt, bleibt offen. Generell herrscht noch immer eine große Prognoseunsicherheit in diesen Zeiten. Das hat auch Bulwiengesa seinerzeit ausdrücklich betont. Dennoch: Ein harter Absturz und ein schnelles Comeback erscheinen durchaus möglich.

Asset-Klassen mit unterschiedlichen Aussichten 

Mit Blick auf die Geschwindigkeit einer solche Erholung unterscheiden sich die Asset-Klassen. So scheint die Logistik-Immobilie beispielsweise – bedingt durch die gestärkte Rolle des Versandhandels – ohnehin einen stabilen Sonderweg zu gehen. Die Nutzernachfrage dürfte weiterhin hoch sein, und die Anlageklasse sollte entsprechend auch bei institutionellen Anlegern anhaltend auf der Wunschliste stehen. Nehmen wir hingegen die Wohnimmobilie als Kapitalanlage für private Anleger, so war der Lockdown deutlich einschneidender.

Sofort war fast die gesamte Verkaufskette durch das stark eingeschränkte Sozialleben und die Verunsicherung betroffen. Wollten die Menschen bei Ausbruch der Pandemie noch Ihren Finanzberater oder Makler treffen? Wer dennoch investieren und eine Wohnung besichtigen wollte, aber alle Flüge gestrichen waren, dem blieb nur der Zug oder das Auto. Wo man dann noch auf Reisebeschränkungen und dadurch geschlossene Hotels traf, war der Bewegungsradius schon sehr eingeschränkt und man verzichtete im Zweifel doch. Vieles kann man natürlich digital auffangen, etwa Online-Beratungsgespräche oder 360-Grad-Besichtigungen. Aber final möchten doch die meisten das Investitionsobjekt mit den eigenen Augen sehen.

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