Robeco-Experte zur Bewertung von Aktien Die Macht der Unternehmensgewinne

Jeroen Blokland, Senior-Portfoliomanager bei Robeco Investment Solutions: „Fallende Bewertungen sind positiv für die Aktienmärkte.“ | © Robeco

Jeroen Blokland, Senior-Portfoliomanager bei Robeco Investment Solutions: „Fallende Bewertungen sind positiv für die Aktienmärkte.“ Foto: Robeco

ARTIKEL-INHALT 

Unter Investoren steigt die Sorge, dass es an Märkten, die auf immer neue Höchststände klettern, irgendwann zu einer Korrektur kommen kann, wenn das Bewertungsniveau zu hoch wird. Zwar gingen die Aktienkurse weltweit in den ersten Monaten dieses Jahres auf Talfahrt, doch zuletzt setzte sich der Bullenmarkt fort. Er dauert mittlerweile 10 Jahre an.

Doch Anleger brauchen sich keine Sorgen zu machen, solange die Gewinn-Komponente des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV), die allen Aktienmarktbewertungen zugrunde liegt, stark bleibt.

In den letzten Monaten und sogar Jahren wurde viel über die Bewertungen von Aktien gesprochen, vor allem über das KGV von US-Werten. Und auch wenn die US-Aktienmärkte sicher nicht billig sind, hat es bisweilen den Anschein, dass die Anleger der Kurs-Komponente des KGV zu viel Bedeutung beimessen, obwohl die Entwicklung an den Märkten tatsächlich durch die Gewinn-Komponente bestimmt wird.

Kurse und Gewinn je Aktie der im S&P 500 enthaltenen Aktien seit 1989:

                                                                                                   Quelle: Bloomberg

Die Aktienkurse und die Gewinne je Aktie bewegen sich häufig zusammen, auch wenn sich ihr relatives Tempo von Zeit zu Zeit ändert. Zum Beispiel sind die Gewinne der S&P 500-Unternehmen in den letzten 12 Monaten um circa 20 Prozent gestiegen – und es wird erwartet, dass sie in den nächsten 12 Monaten noch schneller zunehmen. Das bedeutet: Die Gewinne dieser Unternehmen werden zumindest bis auf weiteres rascher steigen als ihre Aktienkurse. Und genau das ist der Grund, warum die Besorgnis über hohe Bewertungen wieder deutlich abgenommen hat.

Hohe Gewinne drücken das Bewertungsniveau in den USA

Eine andere Betrachtungsweise ist, die KGVs mit ihrem langfristigen Durchschnittswert zu vergleichen. Dies stellt die unten stehende Grafik dar. In den ersten Monaten dieses Jahres erreichte das KGV für den S&P 500 zwar einen Höchstwert von 23,3, ist aber seitdem um 11 Prozent auf 20,8 gefallen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 seit 2012:

                                                                                                     Quelle: Bloomberg

Da der S&P 500 Index in letzter Zeit mehrere neue Höchststände erreicht hat, ist der deutliche Rückgang der Bewertungen auf KGV-Basis rasch zunehmenden Gewinnen und nicht niedrigeren Aktienkursen zuzuschreiben. Außerdem liegt das KGV aktuell „nur“ um 7 Prozent über dem langfristigen Durchschnittswert der letzten 30 Jahre. In Wahrheit wird das Bewertungsniveau attraktiver, wenn die Gewinne stärker steigen als die Aktienkurse – auch wenn neue Allzeithochs erreicht werden.