SEO aus dem Jahr 2006 ist ein Beispiel für erfolgreiche
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"Der Weg ins Reisfeld" der in Berlin arbeitenden Koreanerin
SEO aus dem Jahr 2006 ist ein Beispiel für erfolgreiche
Junge Kunst. Foto: PR

Sachwerte: Deutschland ist ein Kunst-Land

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Junge Kunst ist ein sehr spannendes Feld für Investitionen. Das liegt unter anderem daran, dass die Einstiegspreise niedrig sind, das Potenzial aber riesig. In der Natur der Sache allerdings liegt es, dass in diesem Bereich nicht sehr viele Hilfsmittel für den Kunstinvestor zur Verfügung stehen. Sehr viele Indizes und dergleichen basieren ja auf Auktionsergebnissen.

 Und cum grano salis sind das ja die einzigen verfügbaren und sicheren Preise auf dem Kunstmarkt. Sicherlich gibt es die Auktionen für „Zeitgenössische Kunst“, nur: Hier wird in der Regel mit Blue Chips gehandelt, mit Werken längst arrivierter Künstler, und die wenigen Arbeiten der aufstrebenden Künstler reichen meist von der absoluten Zahl nicht aus, ein verlässliches Bild zu zeichnen. Aber es gibt da durchaus auch Ausnahmen, und diese Ergebnisse sind dann in besonde-rem Maße aufschlussreich.

Der Markt für junge Kunst spielt sich sehr wesentlich im Galeriegeschäft ab, und damit auch auf den Messen. Auf den großen Mes-sen, den Leuchttürmen des Marktes, sieht man aber in aller Regel nur neue Werke von bekannten Künstlern, so etwa auf der Art Basel und der Art Basel Miami Beach, auf der Armory Show und der Frieze, um nur vier zu nennen. Diese Messen wollen den Markt (die Kunstszene) nicht abbilden, sondern ihn machen. Um neue Künstler zu entdecken, da muss man anderswo hin gehen. „Entdeckermessen“ in Deutschland,der  Schweiz und den USA

„Entdeckermessen“ für Sammler sind zum Beispiel die Pulse (Miami, New York), die Scope (Miami, New York, Basel), in Maßen die Art Cologne, die Art.Fair 21, (beide in Köln), die Berliner Liste und andere mehr. Diese Messen sind meist kleiner, haben we-niger Teilnehmer (Art Basel ca. 280; Berliner Liste ca. 145, Scope New York ca. 70) und man ist „näher dran“ am Geschehen. Für die „cutting edge“-Künstler, auf die man hier trifft, gilt genau wie für junge Künstler allgemein, dass diese entweder gerade dabei sind, ihre Position auf dem Markt zu finden oder dass, wenn sie diese schon gefunden haben, ihre Sammler nur selten willens sind, sich von den Werken zu trennen.

Das sieht meist nur dann etwas anders aus, wenn hohe Preissteigerungen trotz geringer Werkzahl auf dem Markt anzutreffen sind. Es hat sehr oft bei jungen Künstlern noch nicht sehr viele (oder gar keine) Auktions-ergebnisse gegeben, von daher fehlen preis-liche Orientierungsbojen. Hier ist das Ver-trauen in die Galeristen der Künstler gefordert. Ohne das geht es im Zeitgenossen-Bereich ohnehin nicht.

Die großen Märkte wie China (mit einem Marktanteil von mehr als 40 Prozent über alle Gattungen und Epochen hinweg, die USA, die im Jahr 2011 drei Prozent verloren haben, England (19,3 Prozent Marktanteil), Deutschland (1,85 Prozent) und Frankreich sind einerseits die interessantesten, wobei aus verschiedenen Gründen die Schweiz als Handelsplatz wichtig ist. Bei den Zeitgenossen sieht das Bild anders aus, denn hier beherrscht Großbritannien 76 Prozent des europäischen Marktes. Deutschland ist hinter Frankreich (neun Prozent) auf dem mit Italien geteilten dritten Platz (je drei Prozent; Quelle: artprice.com). Das sagt nur begrenzt etwas über die nationalen Märkte insgesamt aus, denn nach London wird viel zur Versteigerung gegeben, weil man sich dort höhere Preise erhofft. Solche kann man aber in Deutschland auch erreichen, aber London zum Beispiel zieht insgesamt eine „bessere“ Klientel an. Deutschland hat die meisten Top-Künstler

Schaut man auf die Künstler, ändert sich die Lage wiederum: Bei den Europäern kommen auf den Auktionen Briten (acht) und Deutsche (14) auf 22 der Top 50, fünf kommen aus Italien, je vier aus Frankreich und Belgien sowie drei aus Spanien. Das macht Deutschland als Ort zum Kunsterwerb für Zeitgenossen, für Junge Kunst besonders attraktiv.

Der Markt in Deutschland wird auch durch eine deutliche Dynamik charakterisiert, und er sticht ebenso durch die Lebendigkeit sei-ner ihm unterliegenden Kunstszene hervor. Das liegt mit begründet darin, dass die deut-schen Metropolen München, Hamburg, Rhein-Ruhr, Rhein-Main und vor allem Ber-lin in Bezug auf die Lebenshaltungskosten deutlich günstiger abschneiden als etwa London, Paris oder Mailand. Auch gibt es sehr viele Ausstellungsmöglichkeiten und die großen Sammler zeigen, oft ohne kom-merzielle Hintergedanken, ihre Sammlung einer breiten Öffentlichkeit. Manche (arrivierte) deutsche Zeitgenossen können sich auf den internationalen Auktionen problem-los mit jeder internationalen Größe messen.

Die 14 Top-Zeitgenossen (nach Auktions-umsätzen) aus Deutschland sind Neo Rauch, Martin Kippenberger (†), Albert Oehlen, Anselm Reyle, Thomas Struth, Thomas Schütte, Jörg Immendorff (†), Matthias Weischer, Thomas Ruff, Stephan Balkenhol, Ruby Sterling, Günher Förg sowie Anselm Kiefer und Andreas Gursky. Bemerkenswer-te Impressionen sind, dass die Umsätze mit Bildern von Anselm Kiefer sich in nur weni-gen Jahren verdoppelten: Betrug er 2008 noch €6,7 Mio., lag er 2011 bei €12 Mio. Sein Höchstpreis 2011 lag bei €2,16 Mio. („Dem unbekannten Maler“), nur knapp unter dem Rekord von €2,4 Mio aus dem Jahre 2007. Andreas Gursky hingegen übertraf mit „Rhein II“ für 2,76 Mio. seinen alten Rekord aus dem Jahre 2001 von 2,27 Mio. Euro deutlich (Quelle: artprice.com).

Große Preiszuwächse sind bei solchen Re-kordbildern allerdings nicht unbedingt zu erwarten. Der Erwerb dieser Art Kunstwerke dient, unter anderem, zur Kapitalsicherung im gemixten Portfolio. Für den Investor sind in aller Regel andere Künstler viel attraktiver, durchaus auch unter dem Aspekt der Risikominimierung. Ein perfektes Verhältnis von Aussicht auf Preissteigerung und Investment-Risiko bieten Künstler, die sich schon auf dem Markt etabliert haben, aber noch im mittleren Preissegment zu finden sind. Sie haben bewiesen, dass ihr Werk auf das Interesse von Sammlern stößt, und das ist gleichbedeutend damit, dass sich für diese Künstler ein Markt bilden kann. 55.600 Euro für SEOs „Große Reisernte“

Der mittlere Preisbereich ist deswegen attraktiv, weil da bei Weiterverkauf Luft nach oben ist. Ein Beispiel wäre etwa die in Berlin arbeitende Koreanerin SEO (Jahrgang 1977), deren Kunst auf perfekte Weise asiatische und abendländische Elemente kombiniert. Ihr Höchstpreis auf Auktionen beträgt umgerechnet 55.600 Euro, der für die „Große Reisernte“ von 2006 im Dezember 2007 bei Christie’s in London gezahlt wurde, und er beweist auch, dass die alte Regel, dass man Bilder nicht kurzfristig weiterver-kaufen soll, nicht mehr stimmt.

Den zweithöchsten Preis zahlte ein Sammler im Dezember 2008 bei Lempertz zu Köln für „Grüner Fluss“ aus dem Jahre 2004. Von den bis dato 17 versteigerten Losen von SEO lagen zwölf höher als  €10.000. Chronolo-gisch gesehen stellt man fest, dass vier Wer-ke in 2007 versteigert wurden, eines 2008, zwei 2009, drei 2010, aber sieben 2011: Ein Markt entsteht, und damit Erfolg verspre-chende Investitionschancen.

Von Cornelia Schleime (Jahrgang 1953) sind mittlerweile mehr als 80 Arbeiten unter den Hammer gekommen. Einen großen Teil ma-chen hier kleinere Arbeiten aus – die Sammler trennen sich eher ungern von den größe-ren Formaten. Ein lebhafter Markt existiert aber und bietet gute Chancen, weil bei Papierarbeiten nahezu alle Zuschläge unter 2.000 Euro vor 2005 liegen, und bei den großen Formaten bei einem Höchstpreis
von €16.000 die meisten Zuschläge unter €5000 vor 2007 liegen. Eine für gezielte Investitionen sehr gute Ausgangssituation.

Die Werke Norbert Biskys haben einen lebhaften Markt. Mehr als 70 Gemälde wurden seit 2001 versteigert, allein 13 im Jahr 2011. Die sechs Gemälde aus den Jahren 2001 bis 2005 erbrachten im Schnitt knapp €10.000, die zugeschlagenen Bilder aus dem Jahre 2011 aber schon durchschnittlich fast €18.000. Davon blieben auch nur zwei knapp unterhalb der Taxen (auf deren Höhe der Einstandspreis gewisse Auswirkungen hat), die meisten blieben im Bereich der Schätzungen, drei erreichten einen Preis darüber. Deutschland hat eine lebendige Museumsszene

Generell hat man im Zeitgenossen-Bereich in Deutschland einen etwas besseren Stand als Investor, da es hierzulande das große Netzwerk der Kunstvereine gibt und eine lebendige Museumsszene, die regelmäßig neue Positionen präsentieren. Man denke etwa an die Kunsthalle Mannheim, die Kunsthalle Rostock, die Kunsthalle Domini-kanerkirche in Osnabrück, das Georg-Kolbe-Museum in Berlin, das Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen und so fort. Man kann die Tatsache, dass eine junge Künstlerin etwa in einem bedeutenden Kunstverein oder in einem der wichtigen regionalen Museen ausgestellt hat gut in eine Investitionsent-scheidung einbinden. Das alles wird auch in Zukunft einen dynamischen Markt ermöglichen.


Stefan Wallrich, Vorstand der Wallrich Asset Management

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