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Immer mehr Ärzte und Apotheken setzen auf Telemedizin Foto: IMAGO / photothek
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Investments im Gesundheitssektor

Starke Trends in Medizintechnik und Biotechnologie

Dr. Erin Xie, Blackrock

Zum Impfstart in den USA legten Pfizer und Moderna vor. Novavax, Sanofi und Johnson & Johnson ziehen derzeit nach. Sobald rund um die Welt die Massenimpfungen Fahrt aufnehmen und die Krankenhäuser zum Normalbetrieb zurückkehren, dürften vor allem Medizintechnikunternehmen profitieren. Denn ihre Produkte werden bei medizinischen Eingriffen benötigt, die dann wieder wie vor der Pandemie durchgeführt werden können.

Die allmähliche Normalisierung sollte auch Pharma- und Biotech-Firmen zugutekommen, die beständig neue Produkte auf den Markt bringen. Allerdings erwarten wir, dass das Auftragsvolumen bei Diagnostikunternehmen, die von der gestiegenen Nachfrage nach Covid-19-Tests profitiert haben, mit dem Fortschreiten der Massenimpfungen abnehmen wird.

Die Pandemie verändert den Sektor langfristig

Die Art und Weise, wie Behandlungen durchgeführt werden, hat sich Corona-bedingt deutlich verändert. Wir rechnen in Zukunft damit, dass die Abhängigkeit der Patienten von Krankenhäusern sinken wird. Für ambulante Gesundheitsdienste wie Telemedizin, häusliche Pflege und chirurgische Ambulanzen prognostizieren wir daher ein nachhaltiges Wachstum. Außerdem gab es bereits 2020 Gesetzesänderungen in den USA, um die Kostenübernahme auf telemedizinische Dienste auszuweiten. Weitere Reformen im Bereich der Telemedizin und der häuslichen Pflege sind zu erwarten.

Politischer Ausblick nach dem US-Regierungswechsel

Nach dem Sieg von Joe Biden und angesichts der Mehrheit der Demokraten in beiden Kongresskammern rechnen wir mit moderaten Auswirkungen durch Gesetzesvorhaben im Gesundheitssektor. Wahrscheinlich wird der neue Präsident eine Ausweitung der Krankenversicherung über eine Stärkung des Affordable Care Act (Obamacare) anstreben. Ein Vorteil für den Sektor, der andererseits von einer Reform der Medikamentenpreise im laufenden Jahr gebremst werden könnte.

Wir gehen davon aus, dass die Biden-Administration eine Stärkung von Obamacare über höhere Subventionen und eine Ausweitung von Medicaid erreichen will. Medicaid ist ein Gesundheitsfürsorgeprogramm unter Verwaltung der Bundesstaaten, das Kosten der Gesundheitsversorgung für Kinder aus einkommensschwachen Familien und bedürftige Senioren sowie Menschen mit bestimmten Behinderungen übernimmt. Mit mehr Subventionen in Form höherer Steuergutschriften werden die Prämien sinken, sodass sich mehr Menschen eine Krankenversicherung leisten können. Bundesstaaten, die bisher das Programm ablehnten, würden durch höhere Anreize zur Ausweitung der Krankenversicherung bewegt werden.

Versicherer und Managed-Care-Anbieter profitieren

Durch Obamacare wurde der Medicaid-Versicherungsschutz auf alle Personen mit einem Einkommen ausgedehnt, das um bis zu 38 Prozent über der Armutsgrenze in den USA liegt. Schätzungen zufolge sind 4,9 Millionen Erwachsene in den USA noch nicht krankenversichert. Bringt Biden sein Vorhaben durch die Instanzen, käme die Ausweitung des Versicherungsschutzes Versicherern und Managed-Care-Anbietern zugute, die im öffentlichen Bereich tätig sind. Und natürlich den US-Bürgern, die derzeit keine Versicherung bezahlen können.

Wird Obamacare doch noch aufgehoben?

Der Oberste Gerichtshof wird voraussichtlich im Juni über die Verfassungsmäßigkeit des Affordable Care Act entscheiden, was dessen Aufhebung zur Folge haben könnte. Nach der mündlichen Anhörung im November 2020 lassen die ersten Äußerungen der Obersten Richter aber vermuten, dass Obamacare in Kraft bleibt. Selbst wenn die Reform vom Supreme Court gekippt werden sollte, könnte der demokratisch geführte Senat ein Gesetz zur Rettung verabschieden.

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