Flossbach von Storch Research Institute über Vorstandsgehälter EZB spielt Dax-Chefs in die Karten

Jahreshauptversammlung: Die wenigsten Anleger wissen, was die Vorstände ihrer Aktienunternehmen wirklich verdienen. | © Getty Images

Jahreshauptversammlung: Die wenigsten Anleger wissen, was die Vorstände ihrer Aktienunternehmen wirklich verdienen. Foto: Getty Images

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Das durchschnittliche Gehalt eines Dax-Vorstandsvorsitzenden belief sich im vergangenen Geschäftsjahr 2017 auf 5,5 Millionen Euro – so steht es in den aktuellen Geschäftsberichten. Allerdings handelt es sich hierbei lediglich um eine theoretische Zahl, nämlich das gewährte Gehalt. Hierhinter verbirgt sich das Gehalt, das zur Auszahlung kommt, wenn alle vorgegebenen Ziele zu 100 Prozent erreicht werden. Werden Ziele verfehlt, so ist die Auszahlung, der sogenannte Zufluss, geringer als die Gewährung. Werden die Ziele hingegen übertroffen, so übersteigt der Zufluss die Gewährung. Weil rund zwei Drittel der Vorstandsgehälter erfolgsabhängig ausgestaltet sind, können Zufluss und Gewährung bedeutend voneinander abweichen. Der Zufluss, den die Dax-Vorstandsvorsitzenden für das Geschäftsjahr 2017 erhalten haben, beträgt 6,4 Millionen Euro – er liegt also rund 16 Prozent über der Gewährung. Hiervon entfallen 1,6 Millionen Euro auf das Festgehalt (Fixum) und 3,9 Millionen Euro auf die variable erfolgsabhängige Vergütung.

Der Faktor Zeit bewirkt wundersame Geldvermehrung

Anleger und Aktionärsvertreter haben Mühe, die vollständige Entstehung der Gehälter nachzuvollziehen. Wie die konkreten Zielvorgaben für das Management aussehen, erfahren sie in der Regel nicht. Daher lässt sich nur schwer bewerten, ob durch Höhe und Ausgestaltung der Vergütung der Vorstand zielgerichtet incentiviert wird.

Der Autor der Studie, Philipp Immenkötter, Research-Analyst des Flossbach von Storch Research Institute, hat die Zuflüsse genau geprüft. Ein Plus von 16 Prozent über der Gewährung scheint auf den ersten Blick im Rahmen zu bleiben – schließlich schieben die Dax-Chefs mit engagierter Arbeit ja die Aktienkurse ihrer Unternehmen an. Doch der flüchtige Blick in den Jahresgeschäftsbericht sollte nicht täuschen: Die Auszahlung aus langfristig orientierten Programmen fällt im Durchschnitt doppelt so hoch aus wie die ursprüngliche Gewährung, hat Immenkötter herausgefunden. Er weiß: Gewährung und Zufluss liegen meist drei bis vier Jahre auseinander, sodass aus den aktuellen Geschäftsberichten nicht ersichtlich ist, dass sich die Beträge – von der Öffentlichkeit unbemerkt – verdoppeln.

Deshalb hat Immenkötter zusätzlich die Mustertabellen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) eingesehen, die es seit 2014 ermöglichen, Zuflüsse mit Gewährungen zu vergleichen, die bereits mehrere Jahre zurückliegen. Ins Leben gerufen wurde der DCGK auf Betreiben der Politik mit dem Ziel, das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaften und damit in den deutschen Kapitalmarkt zu stärken.

SAP-Chef mit höchstem Zufluss von 21,1 Millionen Euro

Die Transparenz offenbart Erstaunliches, etwa am Beispiel BASF: Aufgrund von Aktienoptionsprogrammen, die den Zufluss gegenüber der Gewährung kräftig steigern, beträgt der finale Zufluss an den Vorstandsvorsitzenden Kurt Bock (Vorsitz: 2011 bis 2018) das 14-fache der ursprünglich vereinbarten Gewährung. Dies entspricht, über Bocks acht Jahre an der Spitze des Chemieriesen gerechnet, einer jährlichen Steigerungsrate von 34 Prozent.

Weitere eindrucksvolle Beispiele: Bill McDermott von SAP bekam im vergangenen Geschäftsjahr 21,1 Millionen Euro überwiesen – ein historischer Rekordwert. Es handelt sich nicht nur um den höchsten Betrag unter allen Dax-Vorstandsvorsitzenden im Jahr 2017, sondern ist zugleich der höchste Zufluss, den je ein Dax-Vorstand erhalten hat. Der Betrag entsteht durch drei Vergütungsprogramme, die alle langfristig ausgerichtet sind: 5,8 Millionen Euro wurden im Jahr 2015 gewährt, 4,2 Millionen Euro wurden 2011 bewilligt und weitere 6 Millionen Euro wurden 2010 festgeschrieben.

Auf Nummer zwei im Gehaltsranking folgt Dieter Zetsche (Daimler) mit einem Zufluss von 13 Millionen Euro. Platz drei teilen sich Kurt Bock (BASF), Joe Kaeser (Siemens) und Matthias Müller (Volkswagen) mit jeweils rund 9,7 Millionen Euro.