Proteste in Athen gegen die drastischen Sparmaßnahmen der <br> Regierung. Deutsche Bürger fürchten die Folgen der <br> europäischen Schuldenkrise. Foto: Getty Images

Proteste in Athen gegen die drastischen Sparmaßnahmen der
Regierung. Deutsche Bürger fürchten die Folgen der
europäischen Schuldenkrise. Foto: Getty Images

Studie: Deutsche haben mehr Angst vor der Eurokrise als vor Arbeitslosigkeit

Das Ergebnis der diesjährigen Studie „Die Ängste der Deutschen 2011“ hält einige Überraschungen bereit. So kann die Angst vor Arbeitslosigkeit einen stolzen Rückgang von 24 Prozent seit 2010 verzeichnen und befindet sich mit 37 Prozent aktuell im hinteren Drittel der Ängste-Skala. Tatsächlich haben alle langfristig abgefragten Ängste bei den Deutschen an Brisanz verloren. Um 7 Prozent ist das Angstniveau im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Das letzte Mal war es 1994 so niedrig.

Im Zuge der Studie fragte die R+V Versicherung jährlich 2.500 Bundesbürger über ihre größten Ängste aus, in diesem Jahr wurde erstmals auch Sonderfragen konkret nach Ängsten vor der Schuldenkrise und der Atomenergie gestellt.

Damit ist der absolute Spitzenreiter unter den Ängsten die Euro-Schuldenkrise. Bereits 70 Prozent der Bürger fürchten die Folgen der schlechten finanziellen Verfassung vieler EU-Länder. „Die großen europäischen Wirtschaftsfragen - der Euro und die Schuldenkrise im Euro-Raum - überdecken 2011 die traditionellen Ängste um die eigene Wirtschaftslage“, kommentiert  Professor Manfred Schmidt, Politologe an der Universität Heidelberg die Resultate.

Denn dort sind die Deutschen eher optimistischer gestimmt als in den Vorjahren. Neben der Angst vor Arbeitslosigkeit haben auch die Furcht vor einem Konjunkturabschwung (minus 19 Prozent) und dem Verlust des eigenen Jobs (minus 12 Prozent) einen Rückgang erfahren. Schmidt erklärt diese Entwicklung mit dem erfolgreichen Krisenmanagement 2008/2009 und dem darauffolgenden Wirtschaftsaufschwung. Eine Sorge ist aber weiterhin hoch und belegt im Ranking der Standardfragen den ersten Platz: 63 Prozent der Befragten plagt die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten.

Ansonsten stehen auch Umweltängste bei den Deutschen hoch im Kurs. Auf Platz zwei der Standardumfrage auf der Ängste-Skala befindet sich die Angst vor einer Zunahme der Naturkatastrophen. Ganze 60 Prozent treibt diese Furcht um.

In der Sonderumfrage wird deutlich, wie sehr die Atomkatastrophe die Sorgen der Befragten beeinflusst. 54 Prozent fürchten sich vor Störfällen in Kernkraftwerken in Deutschland oder den Nachbarländern. Dass auch Lebensmittelskandale, wie der Erreger EHEC ihn verursachte, nicht spurlos an den Bürgern vorbeigegangen sind, demonstriert eine weitere Kennzahl: Um Schadstoffbelastungen in Lebensmitteln machen sich 70 Prozent der Deutschen Sorgen.

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