Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

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Wachtendorf-Kolumne

Fonds-Awards: Nomen est omen

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In Hollywood sind die Oscars vergeben, und auch in der Fonds-Branche ist die Zeit der Preisverleihungen in vollem Gange. In den nächsten Wochen dürfte kaum ein Tag ohne Pressemitteilung vergehen, dass Fonds A in Österreich jenen und Fonds B in Deutschland einen anderen Award gewonnen hat – wahlweise für das Jahr 2014, für die besondere Leistung in den vergangenen drei Jahren oder auch über einen längeren Zeitraum. Klingeln gehört zum Geschäft, und allen inflationären Tendenzen zum Trotz gilt ein errungener Morningstar- oder Lipper-Award zu Recht noch immer als etwas Besonderes.

Seit in Deutschland vor genau 20 Jahren mit den Micropal-Awards die ersten offiziellen Preise für Investmentfonds verliehen wurden, haben sich die Akzente immer wieder verschoben. Mal stand oder steht mehr die Gesamtleistung einer Gesellschaft im Mittelpunkt, ein anderes Mal das individuelle Können des jeweiligen Managers. Einige Preisträger blieben Eintagsfliegen, andere wiederum stiegen – wie DWS-Urgestein Klaus Kaldemorgen oder Main-First-Manager Olgerd Eichler – im Laufe der Jahre immer wieder aufs Podium.

Ähnlich wie in Hollywood rücken bei den Fonds-Awards zunehmend auch vermeintliche Nebenschauplätze ins Rampenlicht, beispielsweise die Servicequalität einer Investmentgesellschaft. Vielleicht wäre es in diesem Rahmen einmal angebracht, ab 2016 einen Sonderpreis zu vergeben, nämlich den für den griffigsten und damit einprägsamsten Fondsnamen. Auf diesem Gebiet hat sich das Umfeld für Anleger in den vergangenen 20 Jahren spürbar verschlechtert: Aus dem schlichten, in den 70er und 80er Jahren zum Markenzeichen aufgestiegenen Pioneer Fund etwa wurde der Pioneer Funds - U.S. Pioneer Fund, der auch noch in fünf verschiedenen Anteilsklassen mit verschiedenen Buchstaben-Kombinationen erhältlich ist. Der Nebenwerte-Klassiker Provesta wiederum heißt heute DWS European Opportunities, und als dahinterstehende Kapitalanlagegesellschaft auf die Bühne gerufen wird nicht mehr die DWS, sondern die Deutsche Asset & Wealth Management Investment GmbH, kurz DeAWM.

Beispiele wie die oben genannten gibt es viele, und gerade für neu aufgelegte Fonds scheint zu gelten: Je mehr unterschiedliche Buchstaben des Alphabets im Namen untergebracht sind, desto besser. Hinzu kommen diverse Manierismen wie die Unart, an den unmöglichsten Stellen Doppelpunkte und andere Sonderzeichen einzufügen oder einzelne Bestandteile in Versalien zu schreiben. Fonds, die es unter diesen Voraussetzungen nie auf die erweiterte Kandidaten-Liste des Sonderpreises schaffen dürften, sind etwa der BERENBERG DyMACS EQUITY MARKET NEUTRAL, der Quoniam Funds Selection SICAV - Em. Markets Equities MinRisk oder der LogiInvest - nBaisse Multi Manager. Was auch immer die Initiatoren zu diesen Wortschöpfungen getrieben haben dürfte: Der feste Wille, sich bei Deutschlands Anlegern einen Namen zu machen, war es nicht.
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