Aktualisiert am 08.09.2017 - 12:43 UhrLesedauer: 3 Minuten

Wachtendorf-Kolumne Klingelbeutel für mittellose Mischfonds?

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS
Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

So etwas nennt man cleveres Marketing. Mitte September versendet die Luxemburger Investmentgesellschaft Axxion eine Pressemitteilung, in der sie auf die bisher tadellose Leistung ihres damals knapp 30 Millionen Euro schweren, auf europäische Nebenwerte spezialisierten Aktienfonds Squad European Convictions verweist – und kündigt an, den Fonds bei einem Volumen von 50 Millionen Euro schließen zu wollen. Anfang November dann der nächste Weckruf: Das Volumen habe 40 Millionen Euro überschritten, die angekündigte Schließung rücke somit näher. Verwundert es da, dass Axxion nur fünf Tage später – am 10. November – Vollzug melden kann?

Wer glaubt, für den raschen Anstieg des Fondsvolumens sei in erster Linie der goldene Oktober an den Aktienmärkten verantwortlich, sieht sich getäuscht. Zwischen dem 14. September und dem 10. November ist der Anteilspreis des Squad European Convictions lediglich um 3,2 Prozent gestiegen. Das hat den Fonds um gerade einmal eine Million Euro nach vorne gebracht. Die restlichen 19 Millionen Euro stammen also tatsächlich von Anlegern, die der geschickt gesteuerten Werbung erlegen und kurzentschlossen eingestiegen sind.

Verwerfliches Tun, weil – wie so häufig in der Werbung – Bedürfnisse geweckt wurden, die eigentlich gar nicht vorhanden sind? Oder Vorbild auch für andere kleinere Fondsanbieter, die sich häufig schwer tun, beim Volumen die magische Grenze von 50 Millionen Euro zu erreichen?

Ersteres ganz sicher nicht: Dass in den Depots der Deutschen Bedarf an gut gemanagten Aktienfonds besteht, dürfte wohl niemand ernsthaft bestreiten wollen. Und die Kommunikation war in allen Phasen der Aktion sauber, die Abwicklung fair: Jeder Interessent hatte es Schwarz auf Weiß, dass es sich nur um einen sogenannten Soft Close handelt, Anteilskäufe also auch nach der Schließung noch möglich sein werden. Allerdings eben nur zu vollem Ausgabeaufschlag. Wer diesen vermeiden wollte, hatte zudem nach der offiziellen Verkündung des Soft Close noch drei Tage Zeit dazu.

Als Vorbild für andere kleine Fondsanbieter taugt der Fall wegen seiner Besonderheit trotzdem kaum. Zwar gibt es durchaus gute Gründe, einen auf europäische Nebenwerte fokussierten Fonds von vornherein auf ein bestimmtes Zielvolumen zu begrenzen. Diese Argumente greifen aber nicht bei breit aufgestellten Misch- oder Multi-Asset-Fonds, die ja einen Großteil der in den vergangenen Jahren von Boutiquen oder einzelnen Vermögensverwaltern neu auf den Markt gebrachten und gegen ein zu kleines Volumen kämpfenden Produkte ausmachen. Eine solche Marketing-Strategie wäre also schlichtweg unglaubwürdig – erst recht, wenn die Zugangsbeschränkungen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgehoben würden, um mit dem Volumen auch die Einnahmen aus der jährlichen Managementgebühr zu steigern.

Die Vermarkter guter, aber bislang wenig bekannter Misch- und Multi-Asset-Fonds müssen also weiter zu anderen Mitteln greifen, um ihr Produkt unters Volk zu bringen. Bleibt nur zu hoffen, dass dabei das Lockmittel Provision – wie von DER-FONDS-Kolumnist Klaus-Dieter Erdmann in seinem jüngsten Kommentar angedeutet –nicht die Überhand gewinnt.

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