Egon Wachtendorf: Verantwortlicher Redakteur, DER FONDS

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Wachtendorf-Kommentar

Der Triumph der Dax-Strategen

Der Dax bei 10.000 Punkten? Für jemanden, der sich Anfang der 90er Jahre ernsthaft für die Börse interessierte, war es eine ziemlich einfache Rechnung, wann der am 1.Juli 1988 mit 1163 Punkten gestartete Index dieses Niveau erreichen würde: irgendwann zwischen 2013 und 2016. Schließlich war damals Konsens, dass Aktien – unter mehr oder weniger starken Schwankungen – langfristig eine Rendite von 8 bis 9 Prozent pro Jahr erwirtschaften.

Andere wiederum, die im Frühjahr 2000 erstmals mit der Materie in Berührung kamen, sahen die 10.000-Punkte-Marke lediglich als weiteren Tausender, den es im Laufe der kommenden Monate auf dem Weg zu grenzenlosem Reichtum zu überwinden galt. All jenen dagegen, die 2002 und 2008 mit deutschen Aktien viel Geld verloren haben, schienen die 10.000 Punkte danach so unerreichbar wie die Jupiter-Monde Ganymed und Kallisto. Ein Pappschild mit einer fünfstelligen Zahl, das der Heilige Mammon unbedarften Anlegern vor die Nase hält wie einem Esel die Möhre.

Die Frage, wer Recht behalten hat, erübrigt sich. Der größte Fehler jedoch, den kühle Rechner und Strategen im Angesicht ihres Triumphes jetzt begehen können, wäre es, die nächste Verzehnfachung für den Zeitraum 2040 bis 2044 anzupeilen. So einfach funktioniert Börse dann doch nicht. Der Dax belohnt alle diejenigen, die seine Launen ertragen und Geduld und Gelassenheit vor Gier stellen. Aber er lässt sich nicht ausrechnen. Niemals.

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