Warum sind RWE-Aktien in Öko-Fonds?

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225 Terawattstunden Strom hat RWE 2010 produziert: 56 Prozent aus Kohlekraftwerken, 20 Prozent aus Atomkraft, 19 Prozent aus Gas, 4 Prozent aus erneuerbaren Energien und das restliche Prozent aus Pumpwasserkraftwerken, ölbefeuerten Kraftwerken und Müllheizkraftwerken. Ist das nachhaltig?

Best-in-Class: RWE ist drinnen

Wenn es nach Sustainable Asset Management (SAM) geht – ja. Die Schweizer berechnen den Dow-Jones-Sustainability-Index (DJSI), eines der wichtigsten Nachhaltigkeitsbarometer (Interview: Was spricht für den Best-in-Class-Ansatz?)

Zusammengestellt wird die DJSI-Familie nach dem Best-in-Class-Prinzip. Die Anhänger dieses Ansatzes suchen jeweils die nachhaltigsten Firmen eines Sektors. Keine Branche wird ausgeschlossen, so umweltzerstörerisch sie auch sein mag.

Seit dem Start des DJSI 1999 ist RWE dabei. Denn laut SAM zählt der Energiekonzern in Sachen ökologischer und sozialer Kompetenz zu den besten 10 Prozent der weltweiten Versorger. Insgesamt 74 von 100 Punkten hat RWE abgesahnt. 

Details der Bewertung geben die Schweizer allerdings nicht bekannt. Ihr Ziel: „Es soll in allen Branchen ein Wettbewerb um einen Platz im DJSI entstehen“, sagt Rodrigo Amandi, Geschäftsführer von SAM Indexes. „Warum sollte man in ökologisch problematischen Sektoren nicht jene Firmen belohnen, die sich besonders umweltschonend und sozial verhalten?“ 

Ausschlusskriterien: RWE bleibt draußen

Vielen Investoren geht das nicht weit genug. Sie verwenden klare Eintritts- und Ausschlusskriterien und winken beim Thema Atomkraft ab. „Allein das Engagement von RWE in der Kernenergie sorgt für einen bedingungslosen Ausschluss aus unserem Anlageuniversum“, sagt etwa Ralph Prudent, Geschäftsführer der auf nachhaltige Investments spezialisierten Fondsgesellschaft Ökoworld.

„Aber auch abseits der Kernenergie geht der Konzern aus unserer Sicht nicht voRWEg in die Nachhaltigkeit, wie er gerne von sich behauptet.“ So sei beispielsweise der von RWE forcierte Ausbau der Braunkohleverstromung mit enormen CO2-Belastungen verbunden. 

Fondsmanager, die diesen Ansatz verfolgen, schließen neben Atomkraft in der Regel auch Firmen aus, die Kinderarbeit nutzen, Menschenrechte verletzen, die Umwelt verschmutzen oder einen Großteil ihres Umsatzes mit Alkohol, Tabakprodukten, Glücksspiel, Rüstung, Massenvernichtungs- und Nuklearwaffen erzielen. 

Engagement: RWE darf vielleicht rein

Einige Investoren verfolgen zusätzlich einen Engagement-Ansatz: Sie sprechen mit den Geschäftsführern und Managern der Firmen über die nachhaltigen Probleme und Möglichkeiten, diese zu beseitigen. Seit Oktober 2010 bieten die beiden auf Nachhaltigkeit spezialisierten Rating-Agenturen Imug und Eiris einen Engagement-Service für Investoren an.

„Wir schreiben die Firmen im Namen der Investoren an und weisen Sie auf Defizite in Sachen Nachhaltigkeit hin. Anschließend analysieren wir die Antwort und vereinbaren weitere Handlungsschritte“, erklärt Silke Riedel, Leiterin des Investment Research von Imug. 

Als einer der ersten Fonds in Deutschland nutzt der VCH New Energy (WKN: A0M JV9) das Angebot. Schon 2009 warnte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment auf der RWE-Hauptversammlung: „Die Belastungen aus dem zusätzlichen Erwerb von CO2-Zertifikaten wird das Unternehmen künftig Milliarden von Euro kosten.“ 

Die Kosten entstünden ausschließlich aus dem Bestand an Verbrennungskraftwerken. Zudem stellten die Kernkraftwerke vereinzelt enorme Risiken dar, allen voran Biblis, „das sich in erster Linie durch Alter, Störanfälligkeit und ungewisse Zukunft auszeichnet“. Immerhin: Ebenso wie sechs weitere Atommeiler wurde Biblis nach dem GAU in Japan abgeschaltet.

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