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Pläne der Ampelparteien Wie der Koalitionsvertrag in der Finanzbranche ankommt

Fototermin mit Vertretern der Ampelparteien
Fototermin mit Vertretern der Ampelparteien: Lesen Sie hier Einschätzungen aus der Finanzbranche zum Koalitionsvertrag. | Foto: imago images / ZUMA Wire

Es ist ein Koalitionsvertrag. Am Mittwoch um 15 Uhr stand fest, dass die mehrwöchigen Verhandlungen zwischen SPD, Grünen und der FDP gefruchtet haben. Herausgekommen ist ein 178-seitiger Vertrag, in dem die Parteien ihren Fahrplan bis 2025 umreißen.

Der Koalitionsvertrag ließ Vertreter der Fondsvertriebsbranche unmittelbar nach Bekanntwerden in Stellungnahmen aufatmen: Die Pläne, ein Provisionsverbot in der Finanzvermittlung einzuführen, hatten es letztlich nicht in das Papier geschafft. Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen war davon noch die Rede gewesen. Ebenfalls fehlen Pläne für ein neues Aufsichtsregime für 34f- und 34h-Vermittler. Die Finanzvermittler nach Gewerbeordnung sollten nicht mehr von IHKs und Gewerbeämtern, sondern von der Bafin beaufsichtigt werden, hatte es im vorherigen Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP geheißen. Die Pläne waren allerdings im Sande verlaufen.

Nach Veröffentlichung des Fahrplans nunmehr der sogenannten Ampelparteien meldeten sich Vertreter aus Finanzbranche und -verbänden zu Wort. Hier ihre Einschätzungen:

„Positiv - mit Einschränkungen“

Carsten Roemheld (li.) und Christian v. Engelbrechten

Christian von Engelbrechten, Portfoliomanager, und Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei der Fondsgesellschaft Fidelity, meinen:

„Auch wenn der ganz große Wurf nicht erreicht wurde, ist der Koalitionsvertrag positiv für die deutsche Wirtschaft und Kapitalmärkte. Es ist ein gutes Zeichen, dass es relativ zügig Ergebnisse gegeben hat - trotz der sehr unterschiedlichen Parteien. […] Die Ambition, Genehmigungsprozesse deutlich zu beschleunigen, ist ebenfalls ein gutes Signal. Diese Hürde zu überwinden, sollte der deutschen Wirtschaft insgesamt helfen. Deutsche Unternehmen haben das seit langem explizit gefordert.“

Aus Anlegersicht kommentieren Roemheld und Engelbrechten:

„Weitere Punkte wie großzügigere Abschreibungsmöglichkeiten, mehr Digitalisierung, weniger Bürokratie und der Verzicht auf Steuererhöhungen sind aus Investorensicht ebenfalls positive Ergebnisse. Dass die FDP das Finanzministerium übernimmt, dürfte von den Märkten sehr positiv aufgenommen werden, da die FDP als die Koalitionspartei mit der konservativsten und solidesten Finanzpolitik wahrgenommen wird.“

Zu den Nachhaltigkeitsplänen der kommenden Regierung:

„Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist nicht nur für die Umwelt vorteilhaft, sondern sollte langfristig auch dabei helfen, Deutschland unabhängiger und wettbewerbsfähiger zu machen. Nichtsdestotrotz ist es zum Erfüllen des Pariser Abkommens noch immer ein weiter Weg. Maßnahmen in Bezug auf die Energiewende werden zudem zu höheren Kosten für Staat und Bürger führen, die in dieser Größenordnung noch nicht eingepreist sind. Ob sich dieses Projekt dauerhaft nur durch Wachstum finanzieren lässt, ist mehr als fraglich. Hier werden zusätzliche Belastungen auf die Bürger zukommen. Dies wird auch dazu führen, dass die Inflationsraten künftig strukturell höher sein werden als das in den letzten zehn bis zwanzig Jahren der Fall war.“

Das Fazit der Fidelity-Profis:

„Für die deutsche Wirtschaft und die Kapitalmärkte ist der vorgestellte Koalitionsvertrag ein positiver erster Schritt. Die künftige Regierung muss jetzt aber zügig liefern.“

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