Jürgen Meyer

Jürgen Meyer

„Wir setzen auf deutsche Automobilriesen“

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DAS INVESTMENT.com: Glauben Sie an einen Regierungswechsel nach der Bundestagswahl? Jürgen Meyer: Wenn man den jüngsten Umfragen Glauben schenkt, wird die SPD durch die FDP ersetzt. DAS INVESTMENT.com: Und welche Auswirkungen wird es auf den deutschen Finanzmarkt haben. Meyer: Maximal ein symbolischer Kursanstieg von wenigen Prozent. DAS INVESTMENT.com: Warum? Eine schwarz-gelbe Regierung wäre doch ein Paradies für die Wirtschaft? Meyer: Ihren Parteiprogrammen nach schon. Doch auf die Wahlversprechen kommt nach der Stimmabgabe meist die unbequeme Wahrheit – zum Beispiel Steuererhöhungen. Für die Mehrheit der börsennotierten Gesellschaften wird die Besetzung des Kanzleramtes daher nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ein schönes Beispiel sind die USA: Seit der Wahl Obamas hat sich für amerikanischen Unternehmen nicht viel geändert. Wichtiger wird eine konjunkturelle Trendwende sein. DAS INVESTMENT.com: Und wann rechnen Sie mit einer Erholung der Konjunktur? Meyer: Wenn wir Glück haben, befinden wir uns kurz davor. Henkel-Chef Kasper Rorsted hat vor kurzem gesagt, dass die Krise bisher nicht so schlimm ist, wie vielfach befürchtet. Das trifft meiner Einschätzung nach auf fast alle Branchen zu. DAS INVESTMENT.com: Haben Sie das Portfolio des von Ihnen gemanagten SEB Aktienfonds ihren optimistischen Konjunkturerwartungen bereits angepasst? Meyer: An unserer Titelselektion hat sich in den letzten acht bis neun Monaten nichts geändert. Wir setzen nach wie vor auf deutsche Exportunternehmen. So haben wir die Automobilriesen BMW und Porsche/Volkswagen, aber auch Adidas, Henkel und BASF stark übergewichtet. DAS INVESTMENT.com: Sie setzen auch kurz vor dem Auslaufen der Abwrackprämie auf die Automobilbranche? Meyer: Die genannten haben nicht von einer Abwrackprämie profitiert und werden auch nicht unter ihrem Wegfall leiden. Ich rechne damit, dass die USA, die als erste in die Krise geschlittert sind, sich auch als erste erholen werden. Und Amerika ist der größte Absatzmarkt für BMW, Daimler und Porsche. Deutsche Exporteure werden von einem Aufschwung in Amerika mehr profitieren als von möglichen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen hierzulande.

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