Wisdom-Tree-Experte über Anlagen in Emerging Markets „Saftige Dividendenrenditen von 5 bis 6 Prozent“

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Sehen Sie in einem oder mehreren Assetklassen oder in bestimmten Regionen derzeit ein besonderes Schnäppchen, das Anleger noch nicht richtig in den Blick genommen haben?

Nossek: Die  Rohstoffexporteure Russland und Brasilien werden eher als Deep-Value-Positionen gesehen, Länder wie China oder Indien sind eher wegen ihres Wachstumspotentials attraktiv. Die Erholung in Russland und Brasilien geht zögerlich voran. Die Wachstumsraten liegen unter früheren Werten. Dividendenstarke Aktien sind interessant. Wachstumsstorys finden sich in Indien und China. Besonders in Sektoren, die neutral bewertet sind, aber von der starken Binnennachfrage profitieren. Die Importeure profitieren von den niedrigen Rohstoffpreisen. Auch die New-Economy-Sektoren werden etwa in China einen starken Beitrag zur Wachstumsstory liefern. Konsumgüter und Technologie sind höher bewertete Sektoren, aber sie liefern auch ein höheres Gewinnwachstum.  

Würden Sie bei Emerging Markets  generell eher zu Aktien oder zu Renteninvestments raten? Bei Renteninvestments: eher zu Staats- oder zu Unternehmensanleihen?

Nossek: Ich würde eher zu Aktien raten. Wenn Anleihen, dann eher Staatsanleihen als Corporate Bonds. Erstere stehen besser da, weil die Zinsen höher sind und das Kreditrisiko gleichzeitig geringer ist. Industrieanleihen gleichen Staatsanleihen. Diese Unternehmen kommen etwa aus der Ölindustrie und finanzieren sich mittels Bonds. Sie werden stark vom Staat beeinflusst und subventioniert. Diese Unternehmen sind von den Steuereinkünften abhängig. Die reinen privaten Unternehmen sind oft hoch verschuldet, was jedoch in den Kursen wahrscheinlich nicht realistisch eingepreist ist, da die Jagd auf Zinseinnahmen durch die erweiterte QE-Politik der EZB, BoE und BoJ sich beschleunigt hat. Das Insolvenzrisiko ist dort viel höher, falls diese Zentralbanken ihre Anleihenkäufe zurückfahren und/oder die US-Fed die Zinsen zuletzt doch anhebt. Diese Unsicherheiten sind in den Emerging-Markets-Anleihen nicht eingepreist.

Würden Sie auch zu Anlagen in lokale Währungen raten – und wenn ja, in welche? Und wo sollten Anleger lieber vorsichtig sein und auf Hartwährungen zurückgreifen?

Nossek: Lokale Währungen, die stark an Boden verloren haben, wie der russische Rubel oder der brasilianische Real, könnten sich erholen, wenn die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt.
Skeptischer bin ich gegenüber dem chinesischen Renmimbi. Hier ist nicht klar, ob sich diese Währung in einer Talfahrt oder einem Aufschwung befindet. Die chinesische Notenbank interveniert immer noch stark. Derzeit wird die Währung eher gestützt, weil die Abschwächung graduell erfolgte und nicht in einer rasanten Baisse. Das Risiko einer weiteren Abwertung ist groß. Weiterhin herrscht Unklarheit über das Ausmaß der Verschuldung des Staates. Zudem bleibt die Kapitalflucht ein Thema. Technologie-Unternehmen ziehen New York immer noch Shanghai für ihr Börsendebüt vor. Selbst die chinesischen Unternehmer haben weniger Vertrauen in den lokalen Markt.

Haben Sie einen Rat für Anleger, die gern an den Chancen teilhaben wollen, die sich momentan in Schwellenländern auftun?

Nossek: Der EM Equity Income ETF ist für Anleger eine interessante Strategie. Sie ist breit gefasst. Man investiert in EM-Aktien mit satten Dividenden. Das ist besonders wichtig, da in vielen Ländern, wie etwa Südkorea oder Indien, kaum Dividenden ausgeschüttet werden. Würde der ETF auf der Marktkapitalisierung basieren, wären viele Unternehmen ohne Dividenden inkludiert. Die Dividendenrendite in dem ETF liegt fast 200 Basispunkte über der Rendite des MSCI Emerging Markets. Die Strategie enthält 400 Titel und ist damit breit diversifiziert. Man erzielt mit Equity Income zwei wichtige Ziele: eine Dividendenrendite, die die Anleihenrendite übertrumpft, und das mit einem Aktienkorb mit einem deutlich niedrigeren Kreditrisiko.