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Spin-offs Abspalten macht Aktionäre glücklich

Siemens-Zentrale in München
Siemens-Zentrale in München: Der Dax-Konzern hat reichlich Erfahrung mit Abspaltungen | Foto: Imago Images / Sven Simon

Der Mehrwert ist entscheidend. Damit der Kapitalmarkt wohlwollend reagiert, wenn ein Konzern einen Firmenteil abspaltet, müsse klar sein, weshalb das den Gesamtwert steigern soll, so eine Analyse der Boston Consulting Group (BCG). Zudem sei es von Vorteil, wenn ein Konzern schon früher mal etwas erfolgreich ausgegliedert hat. Gute Beispiele dafür sind die Dax-Unternehmen Siemens und Bayer.

„Regelmäßige Portfolioumschichtungen und Veräußerungen von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten können für Aktionäre erheblichen Wert schaffen“, schreiben die BCG-Autoren. Zwei Messgrößen der Wertschöpfung mit unterschiedlichen Zeithorizonten stehen im Mittelpunkt ihrer Analyse: Die sogenannte kumulative abnormale Rendite (CAR) zeigt, wie ein Deal rund um das Ankündigungsdatum am Kapitalmarkt aufgenommen wird. Und der relative Total Shareholder Return (RTSR) bildet die Auswirkungen auf den Aktienkurs des Verkäufers in den zwei Jahren nach einer Veräußerung ab.


Beide Kennzahlen tendierten in den vergangenen Jahren im Schnitt stark nach oben, so BCG. Die kurzfristigen CARs seien von einem Tiefststand bei 0,23 Prozent im Jahr 2016 auf 0,74 Prozent im ersten Halbjahr 2021 gestiegen. Dies könnte auch mit dem Boom an den Kapitalmärkten erklärt werden. Gleiches sei aber auch bei der längerfristigen Kennzahl zu beobachten: Die RTSRs legten demnach von rund 1,5 Prozent bei den 2014 angekündigten Deals auf 4,0 Prozent bei den im Jahr 2019 angekündigten Deals zu.

Die beobachtete Wertschöpfung sei nachvollziehbar, meinen die Experten: „Investoren und Analysten unterziehen komplexe Unternehmensstrukturen häufig einem Konglomeratsabschlag, weil sie Messing im Portfolio eines Unternehmens nur schwer von Gold unterscheiden können und die Synergien zwischen möglicherweise sehr heterogenen Unternehmensbereichen hinterfragen.“


Gleichwohl verbergen sich hinter den Durchschnittswerten erhebliche Schwankungen, wie die BCG-Autoren betonen. Denn die anfängliche Begeisterung an den Aktienmärkten könne auch schnell umschlagen, wenn Anleger zur Ansicht kommen, dass ein Unternehmen anstatt Fett abzubauen letztlich wertschaffende Muskeln verloren habe.

Die längerfristig höchsten Renditen erzielten Eigner der Analyse zufolge durch den Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden oder leistungsschwachen Vermögenswerten. Dies setze Cash frei, reduziere die Komplexität und verbessere das Wachstums- und Margenprofil. Von Bedeutung sei zudem das Timing: „Bessere wirtschaftliche Aussichten verbessern das Bewertungsniveau und geben Verkäufern mehr Verhandlungsmacht als bei einem Notverkauf während eines Abschwungs“, so BCG.

Auch die Wahl des Ausstiegswegs wirke sich aus. Spin-offs, bei denen die bestehenden Aktionäre neue Aktien einer Tochter bekommen, seien am attraktivsten, gefolgt von Verkäufen an andere Unternehmen sowie IPOs, also Börsengängen von Töchtern. „Die Komplexität und das inhärent höhere Risiko von Spin-offs führt dazu, dass Entscheidungsträger diesen Transaktionen ein hohes Maß an Kontrolle widmen, was wiederum eine höhere Erfolgsaussicht bei der endgültigen Durchführung fördert“, erläutern die Autoren.

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