US-Politiker Jerrold „Jerry“ Nadler Foto: imago images/ZUMA Wire

Der große App-Bruch

Warum und wie sich die vier großen Techs zerlegen könnten

Für den Bericht ließen die Politiker Jerrold Nadler und David Cicilline über eine Million Dokumente auswerten. Sie sprachen mit Managern, Mitarbeitern, Konkurrenten und Kunden. Heraus kam das 400 Seiten starke vernichtende Urteil namens „Untersuchung des Wettbewerbs in digitalen Märkten“. Objekte der Untersuchung sind die Unternehmen Facebook, Amazon, Apple und Alphabet. Microsoft, das das M zu dem bekannten Akronym FAAAM beisteuert, bleibt außen vor. Weitere 50 Seiten listen auf, welche anderen Unternehmen die Vier im Laufe ihres Lebens geschluckt haben: Beim Jungspund Facebook sind es 86, bei Amazon 104, bei Apple 122 und bei Alphabet 257. Die Schwarzen Löcher der Digitalwirtschaft.

An einer Stelle wird der Bericht besonders deutlich: „Die einst schäbigen Außenseiter-Start-ups, […], sind zu Monopolen geworden, wie wir sie zuletzt in der Ära der Ölbarone und Eisenbahn-Tycoons gesehen haben.“ Die Rede ist von Geschäftspraktiken, die einst schon John D. Rockefeller zum Herrscher über den Ölmarkt machten: Drohungen, Knebelverträge, gnadenloser Preiskampf, Ideenklau und Übernahmen, nur um das Opfer vom Markt zu nehmen („Killer Acquisitions“).

Die an den Pranger Gestellten sehen das naturgemäß anders. In Stellungnahmen spielen sie ihre Marktmacht herunter und verweisen – nicht ganz zu Unrecht – auf den Segen, den ihre Technik der Menschheit brachte. Und ihren Aktionären. Seit Jahren kommt kaum ein US- oder globaler Aktienfonds ohne Anteilsscheine der vier Börsenstars aus. Zusammen sind sie 5,7 Billionen Dollar wert.

Das entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung von Deutschland und Italien zusammen. Allerdings erwartet kaum ein Marktbeobachter ernsthaft, dass eine US-Regierung die Konzerne in naher Zukunft zerschlägt. Einerseits könnte das die Position der USA gegenüber China schwächen. Andererseits würden sich die Techs mit kampferprobten Anwälten wehren, die Prozesse würden sich über Jahre hinziehen. Schon der Prozess gegen Rockefellers Konzern Standard Oil hatte damals fünf Jahre gedauert.

Denkbar und sogar wahrscheinlich ist hingegen eine andere Variante. Nämlich, dass sich die Konzerne freiwillig selbst zerlegen, um sich weniger angreifbar zu machen. Diesen Schritt war AT&T im Jahr 1982 gegangen. Der Telefon-Monopolist lief damals Gefahr, per Gerichtsbeschluss seine Tochter, den Gerätehersteller Western Electric, zu verlieren. Also bot er an, sich von den Ortsnetzen zu trennen. Die wurden über einen sogenannten Spin-off in sieben Einzelunternehmen geteilt, AT&T vermittelte danach nur noch Ferngespräche, behielt aber Western Electric. Wem dazu der Begriff Kuhhandel einfällt, der könnte richtig liegen.

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