Paketkarren im New Yorker Stadtteil Chelsea Foto: imago images / agefotostock

Vermögensverwalter Joachim Paul Schäfer

Aktien notieren zu Fantasiepreisen

Das Muster wiederholt sich: Auch in dieser Krise warnen sogenannte Experten vor Staatsbankrotten, galoppierenden Inflationsraten oder sogar vor einem Zusammenbruch der Euro-Zone. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Horrorszenarien tatsächlich eintreten, ist auch dieses Mal vergleichsweise gering. Das werden die umfangreichen Liquiditätsspritzen der Notenbanken und der Regierungen verhindern.

Joachim Paul Schäfer
Foto: PSM Vermögensverwaltung

Dazu gibt es wohl kaum eine Alternative: Entweder werden die Unternehmen beziehungsweise Volkswirtschaften mit Geld zugeschüttet oder es droht ein Zusammenbruch der staatlichen und wirtschaftlichen Systeme. Da stellt das Öffnen der Geldschleusen und das Akzeptieren künftig etwas höherer Inflationsraten sicherlich die bessere Alternative im Vergleich zum Bankrott der Weltwirtschaft dar. Auch in der Corona-Krise zeigt sich, dass Notenbanken und Regierungen Massenpleiten verhindern können.

Die Risiken für Anleger steigen

Allerdings fließt ein Teil des massenhaft gedruckten Notenbank-Gelds nicht in die Realwirtschaft, sondern in die Finanzmärkte und katapultiert dort die Kurse in die Höhe. Noch nie waren so viele börsennotierte Unternehmen dermaßen überschuldet und gleichzeitig abenteuerlich hoch bewertet wie heute. So basiert die Rally an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq im Wesentlichen auf der Kursexplosion von rund zehn Technologie-Titeln. Sicherlich verfügen Firmen wie Amazon oder Tesla über überzeugende Geschäftsmodelle. Sie verändern ganze Märkte auf Dauer und arbeiten profitabel.

Aber die Bewertungen sind jenseits von Gut und Böse. Das gilt auch vor dem Hintergrund, dass viele dieser Konzerne bereits eine erhebliche Größe haben, was das künftige Wachstum erschwert. Jetzt kommt mit der Klage der Trump-Regierung gegen Google auch noch politischer Gegenwind hinzu. Auch in Europa werden die Stimmen lauter, die die Marktmacht von Amazon und Co. zu begrenzen möchten.

Die Bewertungen der neuen Corona-Stars - den sogenannten Stay-at-Home-Aktien – sehen noch bedenklicher aus. Beispiel 1: Zoom Communications. Beim Anbieter von Video-Konferenzen erwarten die Unternehmensanalysten dieses Jahr einen Umsatz von rund 2,4 Milliarden Dollar. Die aktuelle Marktkapitalisierung beläuft sich auf circa 63 Milliarden Dollar. Zoom wird also mit mehr als dem 25-Fachen des erwarteten Umsatzes eines Jahres gehandelt - nicht mit dem Gewinn wohlgemerkt.

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