Ausschnitt aus der Grafik Anlagestile im Vergleich, siehe Text

Ausschnitt aus der Grafik Anlagestile im Vergleich, siehe Text

Anlagestrategien auf den Zahn gefühlt

Momentum, Cashflow, KGV – welcher Faktor ist der beste?

//
Was könnte leichter sein als den richtigen Fonds zu finden? Ein Blick in die Ranglisten, ein Vergleich der Wertentwicklung – und schon weiß man, wer der beste ist. Weiß man es wirklich?

Leider ist es nicht so, und das kann man auch auf den Verkaufsprospekten der Fondsgesellschaften lesen: Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für künftige Ergebnisse. Doch es kommt noch schlimmer: Wer die Fonds verfolgt, kommt zu dem Schluss, dass nicht außergewöhnliche Fähigkeiten die Quelle des Erfolgs sind, sondern wenige replizierbare Faktoren, die die Wertentwicklung und damit die Handschrift der Fondsmanager erklären.

Seit den 1980er-Jahren hat eine Vielzahl akademischer Studien gezeigt, dass verschiedene fundamentale Faktoren einen hohen Beitrag zur Erklärung von Aktienrenditen liefern. Obwohl die meisten Faktoren weithin bekannt sind (zum Beispiel Marktkapitalisierung, Bewertung, Momentum, Wachstum, Qualität), lässt sich mit diesen Anlagestilen langfristig Geld verdienen. Nachfolgende Grafik zeigt die jährliche Wertenwicklung und das Risiko (=Volatilität) bekannter Faktoren seit 1999. Dabei sind sonstige Einflussgrößen wie zum Beispiel Branchengewichtung, Aktien-Exposure und Währungen neutralisiert, der Survivorship- und Backfill-Bias bereinigt sowie die Rendite eines zugrundeliegenden Geldmarktportfolios nicht hinzugerechnet worden.

Quelle: Mars Asset Management, Berechnungen des Autors, Thomson Reuters, seit 1999, europäisches Anlageuniversum Wären die Kapitalmärkte effizient, dürften diese dargestellten Effekte nicht existieren. Sie tun es aber, da die Kurse durch menschliches Verhalten wie Angst, Gier und Reframing beeinflusst werden.

Doch welcher Faktor ist der beste?
Wir haben dazu die Reihenfolge der einzelnen Faktoren pro Kalenderjahr grafisch aufbereitet und kommen zu folgenden Ergebnissen:

Vergrößern >>

Quelle: Mars Asset Management, Berechnungen des Autors, Thomson Reuters, seit 1999, europäisches Anlageuniversum Value-Strategien (blaue Felder) zeigten die beste Gesamt-Performance. Vor allem der Anlagestil „Kurs zu Buchwert“ sticht mit einer Wertentwicklung von 6,4 Prozent per annum (inklusive Geldmarkt) langfristig hervor. Die Value-Strategie „Cashflow“ hat die höchste risiko-adjustierte Rendite erzielt, da die Volatilität gering war. Die stärksten Ausschläge hat der Anlagestil „Nebenwerte“. Entweder ist dieser Faktor in der Rangliste ganz oben oder unten. Im Mittelfeld ist er nur ganz selten. Wachstum-Faktoren wie die Eigenkapital-Rendite konnten vor allem in den letzten Jahren überzeugen. Trotz aller Bemühungen und statistischer Methoden ist jedoch keine Struktur oder Ordnung im Zeitablauf zu erkennen. Die Reihenfolge und damit der Erfolg der einzelnen Faktoren ist auf Jahressicht zufällig.

Erst die Transparenz von Faktoren ermöglicht ein umfassendes Verständnis, ob eine „echte“ – also stilbereinigte – Outperformance erzielt wurde und ob die Portfolioumsetzung dem kommunizierten Managementansatz entspricht. Anleger können darüber hinaus nachdenken, ob sie die Rendite-Risiko-Eigenschaften von Faktoren im Portfolio nutzen wollen. Gerade in Zeiten, in denen Geldmarkt und Anleihen keine Rendite abwerfen, sind marktneutrale Faktor-Indizes eine sinnvolle Ergänzung im Portfolio.


Jens Kummer ist Gründer und Fondsmanager der Investmentboutique Mars Asset Management

Mehr zum Thema
Markt-Timing bei Faktor-ETFs
Starcapital startet Fonds mit Multi-Faktor-Strategie
Hybridanleihen & Co.
Bert Flossbach mit Anlagetipps für 2016
Großes Roundtable-Gespräch
6 Vermögensverwalter über Aktien, Risiken, ETFs und Fintechs
nach oben