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Arabien: Demographie birgt Investmentchancen

Im Westen häufen sich die Klagen über rückläufige Geburtenzahlen und Facharbeitermangel, in Arabien hat man andere Sorgen: Dort gibt es weit mehr Junge als Alte. So brachte in den 1950er-Jahren jede Ägypterin im Schnitt sechs Kinder zur Welt. Heute, zwei bis drei Generationen später, sind es zwar „nur“ knapp drei Kinder, doch die hohe Geburtsrate in den Jahren davor führte dazu, dass der Anteil junger Menschen an der Bevölkerung sehr hoch ist.

Viele junge Menschen suchen ihr Auskommen

Ähnlich sieht es in benachbarten Ländern aus. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat sich die Bevölkerung in den arabischen Ländern in den vergangenen Jahren verdoppelt – das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs der Einwohnerzahl von knapp 2,4 Prozent.

All diese jungen Menschen wollen ihren Platz in der Gesellschaft finden, einen Beruf ergreifen, Familie gründen und ihr Auskommen sichern. Hinzu kommen aktuell Sorgen, wie sie sich und ihre Familien angesichts steigender Nahrungsmittelpreise ernähren sollen.

Mit Demokratie gegen die Gerontokraten

Genau diese Teilhabe am gesellschaftlichen Kuchen verweigern ihnen bislang die „Gerontokratien“ des Nahen Ostens und Nordafrikas: In Präsidialregimen wie Ägypten und Jemen oder Diktaturen wie Libyen haben sich die „Alten“ über politische Machtkonzentration den Zugang zu Privilegien und knappen Ressourcen gesichert. Doch jetzt kommt Bewegung in die festbetonierten Strukturen.

Das Zauberwort für die Jugend Arabiens heißt Demokratie, denn nur in einem echten demokratischen Prozess wird diese zahlenmäßig bedeutende Bevölkerungsgruppe ihre Interessen auf friedliche Weise durchsetzen können.

Konsumgüter und Infrastruktur profitieren

Für weitsichtige Anleger können sich in einem solchen Szenario sehr interessante Chancen bieten. Denn die Demokratisierung dürfte zu einer stärkeren Integration dieser Region in die Weltwirtschaft führen. Und das bedeutet: mehr Wohlstand.

Da der Anteil der jungen Menschen sehr hoch ist, wird ein großer Teil des Einkommens in klassische Konsumgüter wie Möbel, Unterhaltungselektronik und Autos sowie in Konsumgüter des täglichen Bedarfs fließen. Profitieren dürften auch Infrastruktur- und Versorger-Unternehmen, die Straßen-, Wasser- und Telekommunikationsnetze ausbauen.

Gefahr des Islamismus nicht vom Tisch

Anleger, die am Wachstum der Region teilhaben wollen, können aktiv gemanagte Regionen- beziehungsweise Länderfonds, aber inzwischen auch erste börsengehandelte Indexfonds (ETFs) nutzen. Der Trend zu Arabien-ETFs wird sich vermutlich verstärken, je mehr die Region auf den Radar der Investmentwelt rückt.

Allerdings sollte man nichts überstürzen. Denn noch ist nicht sicher, wie sich die politische Lage entwickelt. Sollte die Demokratiebewegung woran auch immer scheitern, wird sich die wirtschaftliche und politische Unzufriedenheit neue Ausdrucksformen suchen – und das könnte den Islamisten in die Hände spielen. Dann dürfte der Traum von der Freiheit ein jähes Ende finden.

Zum Autor
: Klaus Hinkel ist Vorstand der Vermögensverwaltung Artus Direct Invest AG, Düsseldorf, und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in regelmäßigen Kolumnen zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen.

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