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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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Grand Canal Shopping Center in Macau | © imago images / Imaginechina-Tuchong Foto: imago images / Imaginechina-Tuchong

Asiatische Schwellenländer

Binnenkonsum statt Rohstoffexport

In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Volkswirtschaften in den Schwellenländern enorm gewandelt. So zeigt sich nun, dass sie resilienter geworden und somit besser gegen Krisenszenarien gewappnet sind. Diese Resilienz ist teilweise auf einen Wandel bei den Wachstumstreibern vieler Länder zurückzuführen, die sich in Richtung Dienstleistungen, Technologie und Binnenkonsum diversifiziert haben. Hinzu kommt, dass die Wirtschaft inzwischen sehr viel diversifizierter ist, wobei sich Konsum und Technologie als langfristige Wachstumstreiber erweisen. Und auch wenn einige Schwellenländer sicherlich problematische Fundamentaldaten aufweisen, die seren Gesamtwahrnehmung in Krisenzeiten möglicherweise verzerren, sehen wir die Schwellenländer insgesamt weiterhin in guter Verfassung.

Warum sind wir dieser Ansicht? Dafür spricht unserer Meinung nach, dass die Schwellenländer eine Transformation durchlaufen. Viele Anleger hielten die Schwellenländer früher für abhängig vom Auf und Ab der Rohstoffpreise, doch die Anlageklasse ist mittlerweile viel stärker diversifiziert. Waren die Länder früher noch stark vom billigen Export natürlicher Ressourcen in die Industrieländer abhängig, profitieren sie heute von internen und externen Wachstumstreibern. Mittlerweile sind steigender Binnenkonsum und Technologie für viele dieser Schwellenländer stärkere Treiber des Wirtschaftswachstums als Rohstoffexporte.

Binnenkonsum als Treiber des Wirtschaftswachstums

Viele Schwellenländer, darunter große Volkswirtschaften wie China und Brasilien, werden vorwiegend durch die Binnennachfrage getragen. Ein beträchtlicher Anteil der Exporte geht zudem in andere Schwellenländer und nicht in die Industrieländer. Der Story der Schwellenländer hat sich also weg von Rohstoffen hin zu einer auf binnenwirtschaftliche Wachstumstreiber und Konsum zentrierten Wirtschaft gewandelt. China beispielsweise hat seine Wirtschaft neu ausgerichtet. Dort ist der Binnenkonsum nun der Haupttreiber des Wirtschaftswachstums und machte im vorletzten Jahr 76 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es 44 Prozent.

Beim Aufstieg der Schwellenländer hat der Konsum eine bedeutende Rolle gespielt. Wir sehen einen Trend der Durchdringung, den zunehmenden Konsum von Gütern und Dienstleistungen sowie eine „Premiumisierung“ – eine steigende Nachfrage der wachsenden Mittelschicht nach Gütern und Dienstleistungen höherer Qualität. Auch wenn Covid-19 die Ausgaben für zyklische Konsumgüter auf kurze Sicht dämpfen könnte, bleiben die säkularen Faktoren wie zum Beispiel eine günstige demografische Entwicklung, steigende Einkommen und Urbanisierung eindeutig intakt.

Krise beschleunigt den Wandel

Aus unserer Sicht könnten die Schwellenländer letztlich gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen, denn in der Krise werden neue Technologien eingeführt und danach weiter genutzt. Unserer Erfahrung nach neigen Unternehmen in Krisenzeiten dazu, sich entsprechend anzupassen und technologische Neuerungen sehr viel schneller zu übernehmen. Genau das haben wir in den vergangenen Monaten beobachtet, wobei viele Unternehmen von offline auf online umgestiegen sind. Beispielhaft lässt sich das am Bildungswesen zeigen: Schulen und Universitäten setzen verstärkt Online-Technologien ein, um den Lernenden eine Plattform zu bieten. Unternehmen in den Bereichen E-Commerce, Internet und Software profitieren ebenfalls von der Zunahme der Online-Aktivitäten. Die beschleunigte Verbreitung und Nutzung des Internets wird das Wachstum bei Cloudanwendungen und anderen Netzwerkarchitekturen weiter vorantreiben und damit die Nachfrage nach Servern und anderen speicherintensiven Geräten erhöhen.

Aufstieg in der Wertschöpfungskette

Die anhaltende technologische Entwicklung ist wiederum ein zusätzlicher Treiber für das Binnenwachstum, was sich auch auf das globale Wachstum auswirkt. Es gibt Belege dafür, dass der Anteil der Schwellenländer an den weltweiten Exporten mit hohem Mehrwert seit Beginn des 21. Jahrhunderts dramatisch angestiegen ist, wie sich etwa an den Beispielen China oder Südkorea ganz klar erkennen lässt.

Schwellenländer, die ursprünglich mit der Herstellung geringwertiger Güter wirtschaftlich erfolgreich waren, nehmen inzwischen die höheren Stufen der Wertschöpfungskette ins Visier. Viele sind heute angesichts der wettbewerbsfähigen Arbeitskosten und anhaltender Investitionen in Forschung und Entwicklung etablierte Akteure und zentraler Bestandteil globaler Lieferketten. Samsung Electronics, das sich zum weltgrößten Hersteller von Speicherchips entwickelt hat, ist nur ein Beispiel von vielen.

Hinzu kommt, dass sich viele Verbraucher und Unternehmen künftig verstärkt fragen müssen, inwieweit sie bereit sind, für die Versorgungssicherheit bei wichtigen Gütern einen Aufschlag zu zahlen. Dies bedeutet, dass die Unternehmen versuchen werden, ihre Lieferketten zu diversifizieren und nicht bloß zu schauen, wie sie die Versorgungssicherheit am günstigsten gewährleisten können.

Wir sind daher der Ansicht, dass die Corona-Pandemie den künftigen Blick der Unternehmen auf die Lieferketten-Logistik ändern wird. Wir gehen daher davon aus, dass die Schwellenländer von einer stärkeren Diversifizierung der Lieferketten profitieren könnten.

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