Von Touristen verwaiste Kirche Sacre Coeur in Paris: Experten raten Anlegern in der Corona-Krise zur Besonnenheit. | © imago images / Hans Lucas Foto: imago images / Hans Lucas

Baillie-Gifford-Partner Stuart Dunbar

Von der Kunst, nichts zu tun

Angesichts tausender Toter weltweit, einem temporären Stillstand der meisten Volkswirtschaften und den daraus resultierenden gravierenden Herausforderungen für die Menschen, fällt es schwer, ruhig zu bleiben und nicht in Aktionismus zu verfallen.

Erst recht, wenn Vieles noch im Ungewissen liegt. Wenn es jedoch um das Investieren geht, ist der tägliche Blick auf den Bildschirm in der Hoffnung, mehr Gewissheit zu erlangen, die schlechteste Methode. Die aktuellen Aktienkurse – also eine Art Mittelwert, der sich herausbildet, wenn eine Reihe von Leuten gegen eine andere wettet – geben wenig Auskunft darüber, ob eine Firma in zehn Jahren Erfolg haben wird.

Doch nur darauf kommt es an, wenn es um die Essenz des Investierens geht: Kapital dorthin zu bewegen, wo es Mehrwert schafft. Die einzige Frage, die man sich als echter Investor stellen sollte, ist also: Ändert die jetzige Situation etwas an den langfristigen Aussichten meines Unternehmens?

Doch die Wirklichkeit unserer Industrie sieht anders aus. Viel Vermögensverwalter verfolgen einen kurzfristig ausgerichteten Ansatz, der sich häufig genug eher an der Entwicklung einer Benchmark und dem Vermeiden von Risiken als am langfristigen Investmenterfolg orientiert. Das Koordinatensystem langfristiger Investoren hingegen ist ein fast komplett anderes. Sie setzen auf einige wenige Unternehmen, denen sie langfristig ein überdurchschnittliches Wertschöpfungspotential zutrauen.

Der breite Markt und sein Lärm sind dabei nicht relevant. Im Gegenteil: Um die entsprechenden Unternehmen zu finden, braucht es Vorstellungskraft, solide Analyse sowie Überzeugung, Geduld und Risikobereitschaft. Solange eine realistische Wahrscheinlichkeit auf das angestrebte überdurchschnittliche Wachstum besteht, wird der langfristige Investor engagiert bleiben und sich nicht vom Auf und Ab der Aktienkurse leiten lassen. Diese Art des geduldigen Investierens erfordert die Einsicht, dass es auch Zeiten der gesteigerten Volatilität geben kann. Diese gilt es auszuhalten und gemeinsam mit dem Unternehmen durchzustehen.

Kein Grund zur Panik für langfristige Investoren

Damit wären wir beim Umgang mit Krisen. Aufgrund des eben beschriebenen Mindsets wird deutlich, dass langfristige Investoren in Zeiten von Turbulenzen und Marktschocks durchaus anders reagieren können als viele ihrer Kollegen, nämlich frei von Panik und mit ruhiger Hand. Misst man den Investmenterfolg nicht in Quartalen, sondern in Dekaden, so sollten Krisen an der Zusammensetzung des Portfolios kaum etwas ändern.

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