Straßenverkäufer in Mexiko Foto: Unsplash.com

Eaton-Vance-Profis raten

Bei Schwellenland-Anleihen lieber zweimal hinsehen

Covid-19 hat den Markt der Schwellenländeranleihen verändert und eine neue Dimension pandemiebedingter wirtschaftlicher Unsicherheit geschaffen. Die Auswirkungen sind in den einzelnen Schwellenländern sehr unterschiedlich. In vielerlei Hinsicht steht das Gebot, „Leben versus Lebensunterhalt“ abzuwägen, parallel zu den Herausforderungen, denen sich die entwickelten Volkswirtschaften gegenübersehen. Doch viele Schwellenländer mit weniger widerstandsfähigen Volkswirtschaften haben auch ganz spezifische Probleme. Diese werden durch die Pandemie noch verschärft, insbesondere leiden die ärmsten und am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

Schaubild A zeigt, wie unterschiedlich die wirtschaftlichen Auswirkungen in den einzelnen Schwellenländer-Regionen sind. Lateinamerika und das aufstrebende Europa wurden besonders hart getroffen, während Asien und Subsahara-Afrika sich relativ gut gehalten haben.

Quelle: Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook Database, Oktober 2020. Schätzungen des IWF nach 2020.

Aus der Perspektive des Anlagemanagements unterstreicht das heutige Umfeld die wichtigsten Grundsätze, die unser Emerging-Markets-Debt-Team in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Die meisten Strategien basieren auf gängigen Indizes wie dem JP Morgan Emerging Market Bond Index (EMBI) für auf Dollar lautende Staatsanleihen oder dem JP Morgan Government Bond Index - Emerging Markets (GBI-EM) für auf Landeswährung lautende Anleihen.

Es gibt mehrere Gründe, warum Benchmark-basierte Ansätze unpassend sein können. Zum einen können Benchmark-Bewertungen zu einem bestimmten Zeitpunkt unattraktiv sein. Nichtsdestotrotz sind sie – per definitionem – für Benchmark-basierte Strategien erforderlich. Zum anderen können die Indizes hochkonzentriert sein. Für den GBI-EM machen die zehn wichtigsten Länder 80 Prozent des Gewichts aus (Stand 30. September 2020). Die Konzentration einer Handvoll größerer Schwellenländeranleihe-Emittenten war Hauptursache für die historische Volatilität des Index.

Die Auswirkungen dieser Konzentration auf den Markt haben mit dem Anstieg der indexbasierten Schwellenländer-ETFs zugenommen. Im Gegensatz dazu gibt es außerhalb des GBI-EM 70 investierbare Märkte mit einer Marktkapitalisierung in lokaler Währung im Wert von etwa 1,1 Billionen US-Dollar. Nicht-Benchmark-Wertpapiere werden von den Sell-Side-Analysten nicht so gut abgedeckt, so dass sie häufiger falsch bewertet werden. Strategien, die solche Länder ausschließen, schränken das Chancen- und Alpha-Potenzial stark ein.

Das heißt, Investitionen in Schwellenländer, nur weil sie Teil einer Benchmark sind, waren schon immer eine schwache Prämisse. Dies gilt umso mehr nach Covid-19.

Mexikanisches Dilemma

Beispiel Mexiko, das etwa 10 Prozent der GBI-EM ausmacht: Mexiko ist eines der ärmsten Länder der westlichen Hemisphäre. Sein Gesundheitssystem liegt in Trümmern, das Land weist eine der niedrigsten Testraten für Covid-19 auf. Da ein großer Teil der Erwerbstätigen nicht formell beschäftigt ist, können viele Arbeiterinnen und Arbeiter keine Unterkunft vor Ort finden und sich auch ihre Gehaltsschecks nicht automatisch ausstellen lassen.

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