Anlagechef Reinhard Pfingsten „Die Stimmung der Aktienanleger ist übertrieben schlecht“

Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer der Bethmann Bank | © Bethmann Bank

Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer der Bethmann Bank Foto: Bethmann Bank

Beim Blick in den Rückspiegel haben zuletzt vor allem China und die Fed den Aktienanlegern Sorgen bereitet. Doch in beiden Fällen scheint es nicht so schlimm zu kommen wie zeitweise erwartet. Bei China galten vor allem die Abwertung der Währung und das Nachlassen des Wirtschaftswachstums als problematisch. Doch Peking hat seine Fiskal- und Geldpolitik wieder gelockert. Und der Yuan ist zuletzt wieder gestiegen. Außerdem deutet die Verlängerung der Handelsgespräche darauf hin, dass sich die USA und China doch noch einvernehmlich auf ein Handelsabkommen einigen werden.

Vor diesem Hintergrund könnte aus dem Belastungsfaktor China für die Aktienmärkte wieder eine Unterstützung werden. Davon werden allerdings europäische Unternehmen wahrscheinlich weniger profitieren als in den vergangenen Jahren. Denn Infrastrukturprojekte, die Peking jetzt wieder vermehrt starten könnte, können chinesische Unternehmen mittlerweile auch ohne westliche Unterstützung umsetzen. Außerdem ist die Wirtschaft der Volksrepublik Konsum-lastiger geworden, weshalb die Regierung auch mit einer Senkung der Einkommens- und Mehrwertsteuer stimuliert. Vereinfacht ausgedrückt hat aber beispielsweise der deutsche Maschinenbau nur wenig von steigenden chinesischen Konsumausgaben.

Fed lenkt ein

In den USA belastete dagegen vor allem die Geldpolitik der Notenbank die Finanzmärkte. Doch Fed-Chef Jerome Powell deutete zuletzt an, eine Zinspause einzulegen. Im vergangenen Jahr hatten noch zahlreiche Anleger für 2019 mit zwei oder sogar drei Zinserhöhungen gerechnet. Dieses Schreckensgespenst ist erst einmal vom Tisch. Wahrscheinlich wird es im laufenden Jahr gar keinen Zinsschritt mehr geben.

Mit einem Aussetzen der Leitzinserhöhungen könnten in den USA die Zinsen bei kürzeren Laufzeiten wieder fallen. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen lag zuletzt nur noch minimal unter der Verzinsung der zehnjährigen US-Treasuries. Die Zinskurve drohte invers zu werden, was als treffsicherer Indikator für eine anstehende Rezession gilt. Mit der Änderung der Zinspolitik der Fed kann die Zinskurve jetzt wieder steiler werden und konjunkturelle Entspannung signalisieren.

Unter dem Strich sind die Aussichten für amerikanische Aktien verhalten positiv. Die Gewinne der US-Unternehmen werden wohl weiter steigen, auch wenn eine Normalisierung zu erwarten ist. Denn die Gewinnbeiträge der Vergangenheit verlieren an Kraft.