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Degussa-Chefvolkswirt erklärt Warum das Wort „Währungskrieg“ Anleger in die Irre führt

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Nächste Erschütterung für Finanzmarkt

Dem US-Dollar bringen die Investoren – vor allem in Krisenzeiten – das größte Vertrauen entgegen. Und die nächste Erschütterung für die Weltfinanzmärkte kommt bestimmt. Vielleicht aus dem Euroraum. Denn wenn das Vergemeinschaftungsbestreben in Europa zum Erliegen kommt oder gar umgekehrt wird, verliert der Euro – der in erster Linie eine politisierte Währung ist – seine Geschäftsgrundlage. Eine Kapitalflucht aus dem Euro in den US-Dollar wäre absehbar.

Sollte die US-Zentralbank unter Trump nicht mehr wie bisher die Feuerwehrrolle für die internationalen Finanzmärkte spielen dürfen, weil sie sich fortan verstärkt auf die heimischen Belange zu konzentrieren hat, werden andere ungedeckte Papierwährungen in Bedrängnis geraten. Sie bauen ja gewissermaßen auf dem US-Dollar auf. Geht ihnen der privilegierte Zugang zur Reservewährung verloren, wird auch das Investorenvertrauen in ihre eigene Währung schwinden.

Eingriffe mit elektronischer Notenpresse

Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es in den kommenden Jahren mit einem aufwertenden US-Dollar zu tun bekommen werden – entweder, weil ungedeckte Papierwährungen in Schieflage geraten, oder weil Amerika Schluss macht mit einer ungehemmten Versorgung der internationalen Kreditmärkte mit US-Dollar –, ist aus meiner Sicht größer als die Wahrscheinlichkeit, dass unter Donald Trump eine Schwächephase für den US-Dollar beginnt.

Und um den Kreis zu schließen: Es ist nicht richtig, die Geschehnisse an den Währungsmärkten als Währungskrieg zu charakterisieren. Mit Blick auf die Probleme im internationalen Finanzsystem, die es zweifellos gibt, müssen Ross und Reiter genannt werden: Die Eingriffe der Staaten und ihrer Zentralbanken mit der elektronischen Notenpresse sind es, die in besonderem Maße Verwerfungen auf den Finanzmärkten, einschließlich der Währungsmärkte, verursachen.

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