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Deutscher Leistungsbilanzüberschuss „Die Probleme können jederzeit wieder auftreten“

Martin Hüfner

Es war ein beliebtes Spiel in den letzten Jahren, die Deutschen wegen ihrer hohen Leistungsbilanzüberschüsse an den Pranger zu stellen. Sie drängten ihre Handelspartner in eine unerwünschte Schuldnerposition. Umgekehrt schadeten sie sich aber auch selbst, denn sie lieferten Güter ins Ausland, die sie eigentlich auch gut zu Hause brauchen könnten.

Es gab tausend Ratschläge, was sie dagegen tun könnten. Der wichtigste war: Sie sollten die Löhne stärker erhöhen und im Staatshaushalt größere Defizite zulassen. Beides war für sie aber ein No-Go. Wieso sollten sie ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit schwächen und eine unsolidere Wirtschaftspolitik betreiben, nur weil die anderen nicht mit dem Erfolg der deutschen Exporteure mithalten können?

Alles lief auf einen Clash unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Philosophien hinaus. Das Ausland setzte auf Wachstum und Konsum, Deutschland wollte dagegen Stabilität und Export.

Quelle: Bundesbank, Schätzung Hüfner

Zum Clash ist es glücklicherweise nicht gekommen, bis jetzt jedenfalls nicht. Das liegt daran, dass der deutsche Leistungsbilanzüberschuss nicht mehr steigt, sondern sinkt. Seit dem Höhepunkt 2015 ist er von 8,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 7,8 Prozent zurückgegangen. Bis 2020 soll er nach den meisten vorliegenden Schätzungen auf unter 7 Prozent sinken. Das ist immer noch zu viel. Der Schwellenwert, den die Europäische Union für tolerierbare Leistungsbilanzüberschüsse festgelegt hat liegt bei 6 Prozent. Aber es ist weniger als vorher.

Sind die Deutschen eingeknickt? Haben sie in der Auseinandersetzung mit ihren Kritikern nachgegeben? In keiner Weise. Tatsächlich haben sie selbst gar nichts getan, um aus der Rolle des bösen Buben herauszukommen. Weder haben sie die Löhne stärker erhöht, noch haben sie sich von ihrer restriktiven Haushaltspolitik verabschiedet, noch haben sie sonst etwas gegen die hohen Exporte getan. Alles ist so geblieben wie es war.

Was sich verändert hat, war das weltwirtschaftliche Umfeld. Da war einmal die starke Erhöhung der Ölpreise, die die Importrechnung der Deutschen aufblähte. 2015 war der Ölpreis bis auf unter 30 US-Dollar je Barrel in den Keller gerauscht. 2018 waren es zeitweise über 80 US-Dollar. Hinzu kam die Aufwertung des Euros. 2015 lag der Euro/Dollar-Kurs noch kurz vor der Parität. In diesem Jahr ist er zeitweise bis auf 1,25 US-Dollar je Euro gestiegen.

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