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Die große Emerging-Markets-Analyse 4 Gründe, warum Anleger die Schwellenländer wiederentdecken

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Grund 1 für Schwellenländer-Boom: Wirtschaft und Bewertung

Wenn alles wieder in bestimmte Märkte rennt, sollten sich dort die wirtschaftlichen Grundlagen verbessert haben. Das ist durchaus auch in den Schwellenländern so, allerdings noch nicht allzu überzeugend. So ist beispielsweise der Investmentchef und Vorstand von Feri, Heinz-Werner Rapp, von den Gewinndaten noch nicht begeistert. „Vieles von den aktuellen Kursgewinnen lebt von der Hoffnung. Damit steigen zunächst einmal die Bewertungen an den Märkten“, meint er. Bei Feri sei man in den vergangenen drei Jahren den Schwellenländern ferngeblieben, erzählt Rapp. Erst im späten Frühjahr habe man dort wieder Aktien gekauft. Am meisten stört den Strategen, dass Produktivität und Profitabilität seit Jahren sinken. „Das passiert, wenn man nicht bereit ist für Reformen und alte Strukturen weiter fortführt“, meint er. Eine wichtige Frage sei es deshalb, welche Regierungen stark und klug genug für solche Reformen sind. Indien, zum Beispiel, meint Rapp. Vielleicht auch Argentinien und Brasilien, nachdem die sozialistische und mutmaßlich korrupte Präsidentin Dilma Rousseff abgesetzt wurde.

„Der wieder aufgekommene Optimismus spiegelt nicht die Fundamentaldaten wider“, stellt auch Martin Lück fest, Kapitalmarktstratege bei Blackrock Deutschland. Die Lage in der Wirtschaft ergebe eher ein gemischtes Bild. Immerhin zeige der Trend für künftige Gewinne nach oben.

Investmentanalyst Daniel Lösche von Schroders sieht Lichtblicke bei den Frühindikatoren. „Die Einkaufsmanager-Indizes steigen wieder, Konsum und Export verbessern sich in den Schwellenländern. Damit besteht auch eine gute Chance, dass sich die Unternehmensgewinne wieder erholen“, berichtet er. Als Beispiel nennt auch Lösche Brasilien: „Ich glaube, das Land hat die Bodenbildung gesehen. Die wirtschaftliche Lage war so schlecht, dass nun bereits kleinere Erholungszeichen ausreichen, um die Stimmung zu heben. Einige Faktoren wie die Investmentaktivität deuten bereits nach oben.“

Kursabschläge haben Tradition

Wie viel Kurszuwachs an den Aktienmärkten noch drin ist, hängt nun davon ab, ob die Gewinne tatsächlich steigen und so die Vorschusslorbeeren rechtfertigen. Zumindest gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis sehen einige Märkte günstig aus (siehe Tabelle). Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis ist der Abschlag zu den Industrienationen nicht ganz so groß. Er hat sich eingeengt, aber er ist noch vorhanden. Das hat Tradition, schließlich soll er die höheren Risiken ausgleichen, die man mit Schwellenländern ins Boot holt.

Ungeachtet dessen sind vor allem Schwellenländeraktien eine gute Möglichkeit, eine stärkere globale Erholung und insbesondere das Wachstum in den Schwellenländern zu spielen, meint Schroders-Mann Lösche. Die Unternehmensgewinne schwankten stärker und seien deutlich zyklischer als in den Industrienationen.

Fragt sich nur, wie es mit dem bisherigen Chef-Wachstumslieferanten, China, weitergeht. Christian Heger, Investmentchef bei HSBC Global Asset Management, bleibt gelassen: „Das mit Abstand größte Schwellenland dürfte mit Wachstumsraten von gut 6,5 Prozent im Jahr weiter ein wichtiger Motor der Weltwirtschaft bleiben“, sagt er. Auch Henning Vöpel bemerkt Gutes: „China hat verstanden und investiert stark in Infrastruktur, Vernetzung auf dem Land, Schulen und saubere Technologien“, so der HWWI-Mann. Damit könne sich das Land das benötigte neue Wirtschaftsmodell zulegen und neues, qualitatives Wachstum schaffen.

China schüttet Schuldenberg auf

Etwas Magendrücken bereitet allerdings die Erkenntnis, dass China sein Wachstum zum großen Teil über staatliche Ausgabenprogramme finanziert. „Es ist damit künstlich erzeugt“, warnt Investmentchef Christian Jasperneite vom Bankhaus M.M. Warburg & Co. „Das sind Staatsausgaben in bedenklichem Umfang.“ Im Fachjargon heißt das auch Deficit Spending – Staaten geben Geld aus, das sie nicht haben, und belasten damit ihren Etat. „Sicherlich zeigen sich derzeit einige Erfolge. Aber die Schulden haben schon dramatisch zugenommen, das kann man nicht beliebig weitermachen“, so Jasperneite. Womit er nahtlos zum zweiten wichtigen Punkt von Schwellenländern überleitet.

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