Passanten spiegeln sich im Schaufenster eines Frankfurter Modegeschäfts Foto: imago images / Ralph Peters

Vermögensverwalter meint

Die Zwanzigerjahre – Jahrzehnt der Aktien

Markus Richert, Foto: Portfolio Concept

Die Notenbanken betreiben seit Jahren eine Politik mit der Notenpresse. Krisen werden scheinbar einfach „weggedruckt“, die Märkte mit billigem Geld geflutet. Zinsen sind schon lange Zeit Geschichte und selbst eine Pandemie, die eine ideale Voraussetzung für den wirtschaftlichen Zusammenbruch bietet, konnte den Aufwärtstrend der globalen Aktienmärkte nur kurz stoppen. Sogar auf die Inflation ist scheinbar kein Verlass mehr. Kaum ist die Teuerung da, wurde sie auch schon wieder für beendet erklärt. Die Notenbanken sehen keine Gefahr und ändern ihre Politik nicht. Alle ökonomischen Weltuntergangsszenarien haben einen gemeinsamen Nenner – die falsche Prognose. Wie so oft zeigt sich, dass „Prognosen äußerst schwierig sind, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“.

German Angst

Den Mahnern wird es letztlich egal sein, denn ihre Bücher über Crashszenarien verkaufen sich nach wie vor gut. Denn es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass viele Menschen dazu neigen, auf negative Meldungen stärker zu reagieren als auf positive. Dieses Phänomen nennt man „Negativity Bias“, also Negativitätsverzerrung. Forscher nehmen an, dass die Ursache in der Evolution der Menschen liegt. Es erhöhte die Überlebenswahrscheinlichkeit als Steinzeitmensch, wenn man die Gefahren stärker gewichtete und mehr Aufmerksamkeit schenkte.

Gerade bei deutschen Anlegern ist noch viel Steinzeitdenken verankert, die deutsche Angst vor Aktien ist scheinbar Teil der DNA. „German Angst“ – das ist im Ausland ein feststehender Begriff. Denn in kaum einem Land der Welt liegen Anspruch und Wirklichkeit bei der Kapitalanlage so weit auseinander, weil die Gesellschaft ein völlig falsches Verständnis von Risiko hat. Als Resultat dieser Angst besitzen 83 Millionen Deutsche circa 88 Millionen Lebensversicherungen, obwohl man nur einmal sterben kann.

Die durchschnittliche Aktienquote der Deutschen dagegen liegt immer noch unter 50 Prozent. Dabei schlagen Aktien langfristig jede vergleichbare Kapitalanlage. Seit dem Jahr 1802 weisen Aktien eine durchschnittliche Rendite von 6,6 Prozent aus. Auch im Jahr 2021 scheint der Optimus der Aktienmärkte ungebrochen. Die großen Aktienindizes haben bereits in den ersten Monaten neue Rekorde aufgestellt. Trotz des vergleichbar hohen Kursniveaus sehen viele Ökonomen das Ende des Anstiegs noch nicht erreicht. „Wir sehen noch Luft nach oben“ ließ sich Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Deka, vor wenigen Tagen zitieren. Denn trotz zunehmender Inflationssorgen und überraschend anziehender Zinsen wurde der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten nicht aufgehalten. Viele Volkswirte teilen seine Einschätzung. Demnach sind Aktien die Anlage der Zwanzigerjahre.

Größte Konsumwelle aller Zeiten

Für manchen Beobachter stehen die Märkte auch gerade erst am Anfang einer beispiellosen globalen Aktien-Rally. Denn die Welt steht vor der größten Konsumwelle aller Zeiten. Die Corona-Pandemie zwang die Verbraucher weltweit zum Sparen. Erste Schätzungen beziffern das zusätzliche Sparvolumen auf 2,5 Billionen Euro. Aus Mangel an Gelegenheiten konnte das Geld nicht ausgegeben werden. Sieben Millionen Kilometer an aneinanderreihten Banknoten, so lange ist die Stecke all des Geldes, das jetzt darauf wartet, ausgegeben zu werden.

Zusätzlich setzt die größte Volkswirtschaft der Welt auf Helikoptergeld. Vor wenigen Jahren noch ein theoretisches und revolutionäres Konzept. Mittlerweile ist es Realität. Dabei kreist allerdings in den USA kein Hubschrauber über Städte und Dörfer und wirft Scheine ab, sondern das frisch gedruckte Geld wird den Bürgern per Scheck zugestellt. Jeder amerikanische Steuerzahler, außer den Besserverdienenden, erhält als Teil des 1,9 Billionen schweren Hilfspaketes in den nächsten Wochen 1.400 Dollar. Umfragen zeigen, dass viele Amerikaner einen Großteil des Geldes an der Börse investieren wollen.

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