Es gibt keine Alternative zur Nachhaltigkeit

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„Wir leben in einer trügerischen Ruhe“, warnt Eberhard Brandes, Vorstand des Umweltverbandes WWF Deutschland. „Der  Living Planet Report zeigt deutlich, dass es höchste Zeit ist, Lösungen zu entwickeln, wie die wachsenden Bedürfnisse der Weltbevölkerung mit den vorhandenen Rohstoffen gedeckt werden können. Vor dem Hintergrund, dass 2050 voraussichtlich mehr als neun Milliarden Menschen die Erde bevölkern werden, ist die Lösung dieser Frage fundamental.“ Der westliche Lebensstil habe zu einer gefährlichen Schieflage des Planeten geführt. Je früher die Trendumkehr geschafft werde, desto besser.

Im globalen Durchschnitt verbraucht jeder Mensch 1,5-mal so viel, wie die Natur zu geben im Stande ist. Seit den siebziger Jahren ist der Bestand von 2.500 ausgewählten Tierarten weltweit um 30 Prozent zurückgegangen, in den Tropen sogar um fast 60 Prozent. 70 Prozent aller Fischbestände von Überfischung bedroht.

„Um die Nachfrage nach Nahrung, Energieträgern und anderen natürlichen Rohstoffen zu decken, bräuchte man schon jetzt einen zweiten Planeten“, so Brandes. Der scheinbare Wohlstand in den Ländern mit hohem Einkommen werde mit dem biologischen Reichtum unter anderem in den Tropen erkauft. Auch Deutschland gehört zu den ökologischen Schuldnern. Der WWF-Vorstand stellte den „Living Planet Report 2010“ darum in einem Berliner Kaufhaus vor, "um auf den für die Zerstörung der Natur maßgeblich verantwortlichen Konsum aufmerksam" zu machen.

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Nicht nur mit dem persönlichen Konsum, auch mit dem Anlageverhalten, kann man die Umwelt schützen. Je mehr Geld in ökologisch und sozial korrekte Investments fließt, desto attraktiver wird es auch für andere Unternehmen, sich nachhaltig auszurichten.

Folgendes muss sich laut WWF ändern, damit der Planet Erde nicht bald Pleite geht:

1. Eine neue Definition von Wohlstand ist überfällig. Die Konzentration auf die Steigerung des Bruttosozialprodukts führt in die Irre. In einer Welt mit begrenztem Ressourcenangebot kann es kein unbegrenztes Wachstum geben.

2. Die Menschheit muss mehr in ihre natürlichen Schätze investieren. Dazu gehört die Einrichtung und Finanzierung von Schutzgebieten. Der WWF empfiehlt, 15  Prozent der Erdoberfläche zum Schutzgebiet zu erklären. Insbesondere bei den Küsten und Hochseeschutzgebieten besteht großer Nachholbedarf.

3. Eine nachhaltige Energieversorgung ist die fundamentale Herausforderung. Investitionen in die Energieeffizienz und die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger fundamental. Die Treibhausgasemissionen müssen bis 2050 um 95 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig müssen die Ernährungsgewohnheiten der Menschen, insbesondere der Fleischkonsum auf den Prüfstand.

4. Die zur Verfügung stehenden Flächen sollten intelligenter genutzt werden. Ein Kompromiss zwischen Flächennutzung zur Nahrungsmittelproduktion, Produktion von Biokraftstoffen und Flächenschutz muss erarbeitet werden.

5. Die Naturschätze der Erde müssen gerechter nachhaltig genutzt werden. Dazu braucht es eine gerechtere Verteilung, beispielsweise durch nationale Budgets (von Kohlenstoff, etc.) und die Abschaffung von umweltzerstörenden Subventionen.

6. Die internationalen Bemühungen zum Schutz der Biodiversität müssen verstärkt werden. Dies beinhaltet die Einrichtung globaler Finanzierungsmechanismen.
  
Auf Anlegerebene kann es darum nur ein Fazit geben: An nachhaltigen Investments führt kein Weg vorbei. Firmen, die ökologisch und sozial korrekt wirtschaften, haben einen klaren Wettbewerbsvorteil. Dass hat auch die letzte Krise eindrucksvoll gezeigt: Nachhaltige Firmen haben die turbulenten Zeiten deutlich besser überstanden als ihre nicht nachhaltige Konkurrenz. Und wie gesagt: Je mehr Geld in die grünen Investments fließt, umso attraktiver wird es auch für die graue Konkurrenz, sich nachhaltig aufzustellen.

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