„Euroland erfüllt Kriterien für Währungsraum nicht mehr“

Hannes Zipfel, Chefökonom bei VSP

Hannes Zipfel, Chefökonom bei VSP

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„Es gibt zwei Möglichkeiten für die nahe Zukunft der Eurozone: Entweder führen die verzweifelten Rettungsversuche via Notenpresse zu massiver Inflation, oder die Währungsunion bricht schlicht auseinander“, sagt Hannes Zipfel, Chefökonom und Vorstand des Finanzdienstleistungsunternehmen VSP.

Eine funktionierende Währungsgemeinschaft zeichnet sich nach Ansicht des Experten durch einen freien Waren- und Kapitalverkehr, einen freien Arbeitsmarkt, eine einheitliche Geld- und Fiskalpolitik sowie ähnliche Inflationsraten aus. Die Eurozone erfüllt diese Anforderungen jedoch nur noch teilweise.

„Vor allem die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Union ist derzeit stark eingeschränkt – und es gibt keine Anzeichen, dass sich dies ändern wird. Im Gegenteil: In den südeuropäischen Ländern Portugal, Spanien, Italien und auch Frankreich ist die konjunkturelle Entwicklung negativ“, erläutert Zipfel.  

Der Ökonom ist überzeugt, dass die weiter auseinander driftende Wettbewerbshomogenität sowie die massive Kapitalflucht in die nördlichen Länder der Eurozone eindeutige Zerfallserscheinungen des gemeinsamen Währungsraums sind. „Die Eurozone existiert nur noch, weil die EZB unlimitiert Geld druckt und damit einen zunehmend weicher werdenden Euro in Kauf nimmt“, so Zipfel.  

Konjunktur: Europa rutscht in die Rezession
 

„Auch wenn sich in Deutschland die Konjunktur noch positiv entwickelt, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der ökonomische Abschwung in Südeuropa im ersten Quartal 2012 noch beschleunigt hat.

Schwellen- und Rohstoffländer werden zwar weiter wachsen, die Dynamik dieses Wachstums wird aber abnehmen. Alles in allem stehen die Zeichen auf Abschwung“, prognostiziert Zipfel.  

Aktien: Unsicher, aber trotzdem attraktiv
 

„Die expansive Geldpolitik einerseits und die politische Unsicherheit andererseits verursachen Spannungen auf dem Aktienmarkt“, sagt Zipfel. „Zudem belasten hohe Rohstoffpreise die Gewinnmargen. Doch weil aller Voraussicht nach die Geldpolitik im Falle eines sinkenden Wachstums und auch bei Staatsbankrotten weiterhin expansiv bleiben dürfte, bleiben Investitionen in Aktien mittelfristig attraktiv.“