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Börsensaal der Deutschen Börse in Frankfurt | © Getty Images

Gerd Kommer und Alexander Weis Ob und wie das Timing des Einstiegs funktioniert

Wer neues Geldin den Aktienmarkt investieren möchte, stellt sich fast zwangsläufig die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen?Unser Bauchgefühl sagt beinahe immer nein, denn sind die Kurse in der Vergangenheit deutlich gestiegen, befürchten wir, in einen überteuerten Markt zu investieren oder – noch schlimmer – kurz vor einem Crash einzusteigen. Sind die Kurse in den letzten Monaten gefallen, glauben wir hingegen, in ein fallendes Messer zu greifen, wie es in einem abgedroschenen Börsen-Bonmot heißt, also in einen noch weiter absackenden Markt zu investieren. Gefühlt kommt unser Einstieg immer zu früh.

In diesem Beitrag befassen wir uns mit der Angst des ersten Typs: Die Furcht davor, in einen zu teuren Markt einzusteigen. (Nota bene: Der globale Aktienmarkt in Gestalt des MSCI ACWI IMI Index war per Ende Januar 2019 nur moderat über seinem langfristigen Mittel bewertet.)

Ein immer wieder gehörter Lösungsvorschlag für diese letztlich alte Fragestellung besteht darin, mit der anstehenden Anlage einfach so lange zu warten, bis der Aktienmarkt – gemessen an einem breiten Index – um einen gewissen Prozentsatz (z.B. 30 Prozent) eingebrochen ist und erst dann in den nun deutlich preisgünstigeren Markt zu investieren.

Gemäß dieser Überlegung definiert der Anleger also eine prozentuale Verlustschwelle relativ zum Indexstand am Startzeitpunkt, die erreicht (gerissen) werden muss, bevor er sein Geld aus einer sicheren Anlage – z. B. der Asset-Klasse Cash (Geldmarkt) – in Aktien umschichtet. Somit steigt der Anleger nach Erreichen der Verlustschwelle günstiger in den Markt ein als er es bei der Alternative sofort ohne Warten investieren kombiniert mit anschließendem Buy-and-Hold getan hätte.

Wir nennen diesen Market-Timing-Ansatz mechanisches Verlustschwellen-Timing (MVT). Die Höhe der Verlustschwelle relativ zum Aktienindexniveau zu Beginn des Betrachtungszeitraums legt der Anleger beliebig fest. Die Verlustschwelle ist ein spezifischer Indexstand unterhalb des Standes zum Startzeitpunkt der Investmentperiode. Zur Erläuterung: Bei einer Verlustschwelle von 30 Prozent und einem Indexstand von 100 Euro zu Beginn der Betrachtungsperiode würde man dann in den Markt einsteigen, sobald der Kurs auf 70 Euro gefallen ist.

Zeit- und arbeitsaufwendige Bewertungsübungen (wie die fortwährend neuerliche Ermittlung des Markt-KGVs, also Kurs-Gewinn-Verhältnisses) erfordert diese einfache, regelbasierte und antizyklische Strategie nicht. Die Simplizität der Strategie besteht auch darin, dass es nur eine einzige Wartephase gibt (Warten auf den Einstieg in Aktien). Nach Erreichen der Verlustschwelle und damit dem vollzogenen Einstieg bleibt der Anleger für den Rest der Betrachtungsperiode voll in Aktien investiert und unterscheidet sich ab diesem Punkt nicht mehr von der Sofort-ohne-Warten-investieren-Benchmark (nachfolgend abgekürzt SOWI).

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