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Alexander Eberan ist Vorstand beim österreichischen Bankhaus Krentschker, Unternehmenstochter der Steiermärkischen Bank und Sparkassen. | © Bankhaus Krentschker

Bankvorstand Alexander Eberan Gold – interessante Depotbeimischung mit kleinem Haken

Der seit August 2018 steigende Goldpreis hat das Edelmetall einmal mehr in den Fokus von Anlegern gerückt. Langfristig ist die „Krisenwährung“ Gold als Depotbeimischung interessant. Allerdings sollte der Kaufkurs nicht deutlich über 1.150 Euro je Unze liegen. Aktuell liegt der Goldpreis mit rund 1.167 Euro je Unze nur leicht über diesem Wert (das entspricht etwa  1.325 US-Dollar je Unze bei einem Kurs Euro/US-Dollar von 1,136).

Seit Jahresbeginn 2019 ist Gold im Wert um circa 3,45 Prozent (US-Dollar pro Unze) gestiegen. Auf Grund der Wechselkursentwicklung Euro/US-Dollar erzielte man im Euro sogar ein Plus von rrund 4,3 Prozent. Charttechnisch ist Gold nach dem Anstieg von 12,6 Prozent seit August 2018 nunmehr nahe einem starken Widerstand, der bei rund 1.350 US-Dollar pro Unze liegt, angelangt. Sollte diese Marke überwunden werden, wäre aus Sicht der Charttechnik der Weg frei bis 1.500 US-Dollar pro Unze.

Ob Gold tatsächlich diesen Widerstand überwindet, wird daran liegen, ob nach einem halben Jahr massiver Goldkäufe und vieler negativer Nachrichten im Markt neue Anlässe auftauchen, die Investoren als Kaufsignale bewerten: Dies könnten zum Beispiel ein harter Brexit oder ein neuerlich eskalierender Handelskonflikt zwischen den USA und China beziehungsweise Europa sein. 

Goldnachfrage treibt den Kurs

Gold ist ein Rohstoff, der auf der Erde nur begrenzt vorhanden ist und Auf Grund der stetigen Nachfrage wahrscheinlich nie wertlos sein wird. Abseits seiner schmückenden Wirkung wird Gold auch in der Industrie sowie in Elektronik-Produkten wegen der besonderen Leitfähigkeit verarbeitet. Rund 57 Prozent der Goldnachfrage kommt von Schmuckherstellern, der Rest aus anderen Quellen.

In seiner Wertentwicklung ist Gold mehr als andere Investments direkt von Angebot und Nachfrage abhängig: In letzter Zeit wurde massiv Gold von Notenbanken aus Russland, der Türkei, Polen und Ungarn gekauft. Es dürfte sich um Käufe zur Reduzierung von US-Dollar-Beständen gehandelt haben. Auch Privatanleger haben zuletzt oft und gerne Gold-ETFs zur Risikodiversifikation gekauft, sodass aktuell der Gold-ETF-Höchststand vom Jahr 2013 erreicht wurde. Aber auch Hedgefonds, welche in Long- bzw. Short-Positionen investieren, sowie das traditionelle „Goldsparen“ im asiatischen und arabischen Raum hatten Einfluss auf den Goldpreis.

Als Goldverkäufer könnte in nächster Zeit Venezuela auftreten, wo sich neben der schweren Wirtschaftskrise auch der Machtkampf zwischen Präsident Nicolás Maduro und dem Gegenpräsidenten Juan Guaidó weiter zuspitzt.

Gold - Anlageklasse mit kleinem Haken

Der Goldpreis entwickelt sich meist entgegengesetzt zu Aktien, ist aber dennoch nur begrenzt als Depotversicherung brauchbar, wie etwa die Entwicklung im Jahr 2018 zeigte. Gold eignet sich aber zumindest als Inflationsschutz und wird bei aktuell niedrigen bzw. negativen Realzinsen zunehmend interessanter: Derzeit rentiert eine 10-jährige österreichische Staatsanleihe bei rund 0,47 Prozent, während die Inflationsrate 2018 bei 1,7 Prozent lag. 

Nicht zu vergessen ist, dass ein Euro-Investor mit Gold auch automatisch in den US-Dollar investiert. Somit ist Gold immer gleichzeitig eine Währungsspekulation. Obwohl Gold in Krisenzeiten Höchstkurse verzeichnet, sollte dieses in einem strategischen Depot nicht übergewichtet sein. Allerdings ist eine gewisse Vorsorge in Gold, auch in physischer Form, ratsam – insbesondere im Lichte der Budgetdefizite, die zahlreiche Staaten generieren. Trotz der derzeit so  günstigen Wirtschaftsdaten könnte das der Keim für die nächste Krise sein.

Berechnungen: Bankhaus Krentschker

Die Tabelle zeigt sehr eindrucksvoll die Entwicklung von Gold (in Euro) in unterschiedlichsten Wirtschaftsphasen. Unabhängig vom Kaufzeitpunkt erwies sich ein Goldkauf als positives Investment.

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