Uwe Zimmer ist Vorstand von der Vermögensverwaltung Meridio in Köln

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Gold als Krisenwährung

Ein sicherer Rückhalt gerät in Vergessenheit

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Die eine Antwort wäre: weil alles doch gar nicht so schlimm ist. Weil die Medien doch immer übertreiben. Weil in der Ukraine schon nicht ein neuer kalter Krieg beginnt und der IS-Terror schon nicht die ganze Region in Flammen setzen wird.

Weil Europa schon nicht in die Deflation abgleitet, weil Japan vielleicht einmal aus ihr herausfindet, weil die Notenbanken dieser Welt es schon richten werden. Eine andere Antwort ist: Weil Kurse der Ausdruck sehr kurzfristiger Erwartungen sind und weil bequeme Antworten immer nur von dem gegeben werden, dem sie nutzen.

Gold etwa ist nach gängiger Lesart eine Krisenwährung. Wann um Himmels Willen gab es zuletzt mehr Krisen als jetzt gerade? Zur Erinnerung: Angefangen hat es mit der Krim-Krise zu Jahresbeginn, ging dann über in die Ost-Ukraine-Krise, die zu einer „der-neue-Kalte-Krieg“ Krise eskalierte.

Parallel laufen die „zu hohe Marktbewertungs-Krise“, die „die Wirtschaft-könnte-wieder-an-Fahrt-verlieren-Krise“ und die „das-ist-alles-nur-vom-billigen-Notenbankgeld-aufgebläht-Krise“.

Vergessen sollten wir nicht die Ebola-Krise, die Syrien-Krise, die Irak-Krise, die „Naher Osten-Krise“ oder die „IS-Krise“. Und Gold? Das dümpelt in seiner Komfortzone und macht keine Anstalten zu steigen.

Die häufig gehörte Begründung dafür: Die Zinsen könnten ja bald wieder steigen und das würde Gold unattraktiver machen als Anlage. Aha. Wenn man also wieder Zinsen auf Anleihen oder auch nur aufs Tagesgeld bekommt sind all die Argumente weggewischt, mit denen uns die Untergangspropheten jahrelang gepestet haben?

Vor allem: Gold hat noch nie Zinsen getragen, es hat schon immer nur Geld gekostet, Gold zu besitzen. Aber bei steigenden Zinsen ist es natürlich noch unattraktiver, Gold zu haben.

Also ganz einfach: Hätten die Menschen Angst, kauften sie Gold. Sie kaufen nicht, also haben sie keine Angst. Dabei ist erhöhte Vorsicht durchaus angebracht – zumindest in der Vermögensverwaltung. Voll investiert zu sein ist derzeit nicht mutig, sondern tollkühn.

Hier lohnt es sich, nur mit einem Fuß auf dem Feld und mit dem anderen an der Seitenlinie zu stehen. Denn abseits der Krisen und abseits der immer wieder genannten Begründungen für Aufs und Abs: die fundamentalen Rahmendaten für Anlagen in Aktien sind nicht gesund und bei Anleihen gibt es kaum Rendite.

Ein schneller Zinsanstieg, der sowohl das Deflationsszenario abwehren und Anleiheinvestments wieder attraktiver machen würde, ist nicht in Sicht.

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