Mark Dowding (Gastautor)Lesedauer: 2 Minuten

Bluebay-Investmentchef Handeln Chinas Politiker noch berechenbar?

Ausrangierte Leih-Räder von Didi Chuxing
Ausrangierte Leih-Räder von Didi Chuxing: Der chinesische Fahrdienstleister darf keine neuen Kunden aufnehmen. | Foto: imago images / VCG

Chinesische Vermögenswerte gerieten zuletzt erneut unter Druck. Was war passiert? Nach dem harten Durchgreifen gegen Tech-Unternehmen wie den Fahrdienstleister Didi Chuxing, dessen Marktkapitalisierung sich seit dem Börsengang in den USA Ende Juni fast halbiert hat, überraschte die Regierung die Investoren nun erneut: Sie kündigte an, Nachhilfeunternehmen die Erzielung von Gewinnen zu untersagen. Einige Anleger beklagen bereits, dass Peking unberechenbar handelt und sich vom marktwirtschaftlichen Wirtschaftsmodell entfernt.

Keine Abkehr von der Marktwirtschaft

Wir sehen das hingegen anders: Die ergriffenen Maßnahmen stimmen sehr gut mit den im jüngsten Fünfjahresplan dargelegten strategischen Zielen überein – und diese haben die chinesischen Entscheidungsträger allen, die es hören wollten, gerne erläutert.

Weit oben auf der Agenda steht der Abbau der hohen Immobilien-, Bildungs- und Gesundheitskosten, die die Bevölkerung belasten – auch, weil diese für den Rückgang der Geburtenrate verantwortlich sein könnten.

Es kommt nicht nur auf die Größe an

Welche Lehren lassen sich daraus für Anleger ziehen? Zunächst ist kein Unternehmen zu groß, um zu scheitern. Und in China gilt: Je größer man ist, desto mehr soziale Verantwortung muss man übernehmen. Außerdem kann es für Unternehmen schwierig werden, wenn sie den chinesischen Regulierungsrahmen verlassen und zum Beispiel in New York an die Börse gehen. Darüber hinaus setzt sich Peking für den Schutz kleiner und mittlerer Unternehmen vor monopolistischen Tendenzen ein.

In vielerlei Hinsicht kann die chinesische Politik im ESG-Kontext betrachtet werden. Vorwürfe, Peking würde mutwillig oder unverantwortlich handeln, laufen daher aus unserer Sicht ins Leere.

Die Befürchtung, dass politische Fehler China in eine Rezession treiben könnten, scheint ebenfalls unangebracht. Zwar gab es am Anleihemarkt zuletzt Verwerfungen aufgrund von Bedenken im Zusammenhang mit Evergrande, dem größten Immobilienentwickler des Landes. Wir sind jedoch der Meinung, dass Peking die Mittel hat, aus einzelnen Fällen kein systemisches Risiko erwachsen zu lassen.

Erhebliche Bewegungen bei Anleihen

Insgesamt sind wir der Meinung, dass Wachstumsängste aufgrund eines Anstiegs der Delta-Variante oder einer Schwäche der chinesischen Märkte in den kommenden Tagen zurückgehen könnten. Die nahende geldpolitische Wende in den USA wird sehr langsam verlaufen und wahrscheinlich keinen großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung haben. Solange die Renditen nicht zu schnell ansteigen, bleiben Risikoanlagen gut gestützt. Daher sind wir der Ansicht, dass wir bis zum Jahresende die größten Bewegungen an den Anleihemärkten sehen könnten.

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