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Henderson-Vertriebschef Phil Wagstaff Janus-Henderson-Fusion: „Wie beim Tanzen – die besten Möglichkeiten winken zu Anfang“

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Sie haben bekanntgegeben, dass es zwei CEOs geben wird. Das ist ungewöhnlich.

Wagstaff: Es gab erst eine kleine Kontroverse darüber. Aber auch Standard Life und Aberdeen haben angekündigt, mit einer Doppelspitze arbeiten zu wollen. Unsere Vorstände haben es so entschieden. Sie wollen die Leute nicht verärgern: Wenn Dick (Weil, Chef von Janus, Anm. d. Red.) geht, wird die Janus-Seite vor den Kopf gestoßen. Wenn Andrew (Formica, Chef von Henderson, Anm. d. Red.) gehen müsste, würde das die Henderson-Leute stören. Wie Sie wissen, ist Asset Management ein personenbezogenes Business.

Gleichzeitig räumt der Vorstand selbst ein, dass zwei Co-CEOs ungewöhnlich sind. Den Aktionären wurde zugesichert, dass die Situation jährlich überprüft und hinterfragt werden soll, ob die Doppelspitze dem Unternehmen und den Aktionären guttut.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit der beiden Chefs konkret vorstellen?

Wagstaff: Beide werden von London aus arbeiten. Dick Weil zieht im Sommer mit seiner Familie nach London. Er und Andrew Formica werden zwei benachbarte Büros haben. Wenn ein CEO hier und der andere dort ist, hat man am Ende eigentlich immer zwei Firmen, die parallel laufen. Wenn man sie Tür an Tür arbeiten lässt, werden gemeinsame Entscheidungen getroffen und die Integration geht schneller vonstatten. Trotzdem wird es, wie gesagt, nicht unbedingt für immer sein.

Es finden momentan einige große Fusion in der Asset-Management-Industrie statt: Standard Life fusioniert mit Aberdeen, Amundi hat Pioneer gekauft. Wieso findet das ausgerechnet jetzt statt?

Wagstaff: Ich denke, das hat mehrere Gründe. Zum einen wird der regulatorische Druck immer stärker. Es wird immer komplexer, angesichts der regional unterschiedlichen Rechtsprechung und Regulierung ein globales Geschäft zu führen. Man hat hohe Compliance-Kosten. Es steigen die Fixkosten, aber nicht die Margen: Der Preis, den man den Kunden in Rechnung stellt, bleibt gleich oder wird noch gesenkt. Dadurch sinkt auch die Profitabilität. Außerdem sind wir unter Druck durch den Trend zu Passivanlagen. Und drittens durch einen Markt, der wenig Rendite bringt – das betrifft wegen der Niedrigzinsen besonders die Anleihen-Seite.

Hinzu kommt der Wandel aufseiten der globalen Anleger: Immer mehr Geld ist in der Hand von immer weniger Menschen. Wenn diese auf uns Druck ausüben, müssen wir unsere Gebühren senken.

Meinen Sie Druck von institutionellen Investoren?

Wagstaff: Ich denke vor allem an die globalen Privatbanken. Sie legen sehr viel Geld bei Asset Managern an und sie üben Druck aus, damit die ihre Gebühren senken. Auch die Finanzmarktrichtlinie Mifid drückt auf die Gebühren. Von Asset Managern wird immer mehr gefordert. Es gibt zum Beispiel schon Diskussionen darüber, ob Fondsgesellschaften ihr Research selbst bezahlen sollten oder ob der Kunde dafür aufkommen sollte. In diesem Umfeld macht es unbedingt Sinn, sein Geschäft zu vergrößern und auf Skaleneffekte zu setzen.

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