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Eine Ölförderanlage in Venezuela. Foto: Getty Images

Eine Ölförderanlage in Venezuela. Foto: Getty Images

HSBC-Analyse

„Günstiges Öl belastet und stärkt zugleich“

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Die kräftige Korrektur an den Aktienmärkten seit Jahresbeginn hat viele Anleger nachhaltig verunsichert. Ist der 2009 begonnene Aufschwung endgültig am Ende angelangt? In der Tat scheinen die Ölpreisentwicklung und die Konjunktur in China die Skeptiker zu bestätigen. Das Überangebot hat zum stärksten Ölpreiseinbruch in zwei Jahren geführt. Zu allem Überfluss droht Iran nach dem Ende der Sanktionen mit dem schnellen Aufbau weiterer Förderkapazitäten.

Ölpreis erhöht Insolvenzrisiko

Große Förderländer wie Saudi-Arabien sehen sich mit einem Haushaltsdefizit von 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts konfrontiert. Wertpapiere, darunter auch Aktien, im Wert von rund 100 Milliarden Euro mussten bereits liquidiert werden. Kleinere Förderländer ohne größere Währungsreserven, wie Nigeria, haben um Kredithilfen gebeten. Venezuela droht gar die Staatspleite. Ähnlich ausweglos sieht es für viele US-Fracking-Unternehmen aus. Das zunehmende Insolvenzrisiko belastet insbesondere den gerade wieder halbwegs genesenen Finanzsektor. Volle Lager und hohe Förderung lassen kein kurzfristiges Ende der Preistalfahrt erkennen.

Mittelfristig sieht das Bild jedoch deutlich differenzierter aus. Die Energienachfrage nimmt immer noch um mindestens ein Prozent jährlich zu. Der niedrige Ölpreis führt zu einer Rückführung der zu teuren Produktionsstandorte. Seit der Spitze im April 2015 ist die Rohölproduktion in den USA um rund 600.000 Barrel pro Tag gesunken. In den nächsten zwölf Monaten dürfte eine weitere Million wegfallen. Die großen Ölunternehmen haben geplante Neuerschließungen drastisch reduziert. Es ist daher keine Frage, ob, sondern nur wann der Ölpreis wieder anziehen wird.

Gleichzeitig wirkt sich der Ölpreisrückgang positiv auf die Weltkonjunktur aus. Milliarden Konsumenten haben höhere verfügbare Einkommen. Die Verbraucherstimmung in Europa und den USA bewegt sich daher auf hohem Niveau. Rohstoffimportierende Länder wie Indien entwickeln sich zur Wachstumslokomotive.

Auch die Sorgen um China scheinen überzogen. Zwar verharrt der Stimmungsindikator der Industrie unter der kritischen Marke von 50. Im Dienstleistungssektor wurde jedoch im Januar mit 52,4 ein neues Sechsmonatshoch erzielt. Der Umbau der Volkswirtschaft zu mehr Dienstleistung und Konsum lässt sich auch an den zweistelligen Wachstumsraten des Einzelhandels ablesen. Geld- und Fiskalpolitik verfügen in China noch über genügend Mittel, um eine harte Landung der Wirtschaft zu verhindern.

Kein Ende des Aktienaufschwungs


In den Industrieländern bemüht sich die Geldpolitik ebenfalls um Unterstützung. Während die Europäische Zentralbank weitere Expansionsschritte angekündigt hat, setzt die Bank of Japan ihren Leitzins erstmals mit minus 0,1 Prozent in den negativen Bereich. Auch, weil sich die Eurozone und die USA robust zeigen, gibt es kein Anzeichen für eine Weltrezession. Diese wäre aber Voraussetzung, um auf dem gedrückten Kursniveau den Aufschwung zu beenden. Schließlich zeigen die Bewertungsrelationen insbesondere zu den nochmals niedrigeren Zinsen eine ungewöhnlich hohe Risikoprämie der Aktien an. Trotz der Turbulenzen haben wir daher Aktien weiter übergewichtet.

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