Jürgen Graw, Vermögensverwalter der Taunus Investments in Bad Homburg. Foto: V-BANK

Jürgen Graw, Vermögensverwalter der Taunus Investments in Bad Homburg. Foto: V-BANK

Interview

„Mischfonds lassen unsere Anleger ruhiger schlafen“

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DAS INVESTMENT: Mit welchem Anteil setzen Sie Mischfonds in Kundenportfolios ein?

Jürgen Graw: In unseren Vermögensverwaltungen und Fondsvermögensverwaltungen nutzen wir aktuell die Anlageklasse Mischfonds zwischen 10 Prozent und 20 Prozent je nach Strategie. Die Asset Allokation gilt als Königsdisziplin und Kernaufgabe in der  Vermögensverwaltung, bestimmt sie doch zu 80 Prozent die Rendite und sogar zu 95 Prozent das Risiko von Kundenportfolios. Kritiker sagen, dass Vermögensverwalter durch die Wahl von Mischfonds die Kontrolle über die Asset Allocation verlieren beziehungsweise diese bewusst an Dritte abgeben. Was ist Ihre Meinung dazu?

Bei einer Beimischung von Mischfonds in diesen Größenordnungen wird die Kontrolle über die gesamte Asset Allocation definitiv nicht abgegeben. Die Fondsgesellschaften veröffentlichen regelmäßig ihre Depotzusammensetzung und diese Quoten werden dann von uns in die Gesamtaufteilung übernommen. Dadurch behalten wir immer die Kontrolle über die Aufteilung Aktien / Renten / Rohstoffe / Liquidität und damit über das Risiko in den Depots.
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Warum Mischfonds, wenn reine Aktienfonds doch langfristig eine bessere Rendite erwarten lassen?

Das ist eine Frage der Risikoaufteilung und der Diversifikation. Langfristig weisen Aktienfonds eine bessere Performance auf, dafür ist die Schwankungsbreite auch eine viel größere. Mischfonds mit einer flexiblen Aktienquote lassen unsere Anleger oftmals viel ruhiger schlafen. Wie lassen sich Mischfonds sinnvoll mit Aktien- und Rentenfonds (sowie mit Einzeltiteln) in Kundenportfolios kombinieren? Was sind hierbei die wichtigsten Überlegungen?

Ein Mix aus direkten Fonds, Mischfonds sowie Einzeltiteln stellt die Vermögensverwaltung auf eine breite Basis. Mit Mischfonds kaufen wir uns eine weitere Expertise eines Managers mit einer zusätzlichen Risikokontrolle ein. Die Beimischung von Mischfonds kann wesentlich zur Verbesserung der Rendite-Risiko-Struktur eines bestehenden Depots beitragen, zum Beispiel durch eine geringere Schwankungsintensität. Wodurch muss sich ein Mischfonds auszeichnen, um den Weg in Ihre Kundenportfolios zu finden? Und andersherum: Welche Merkmale führen zum Ausschluss eines Mischfonds? Achten Sie auf die Korrelation einzelner Mischfonds zueinander?

Die Auswahl eines Mischfonds für unsere Verwaltungen erfolgt  genauso wie die Auswahl eines Aktien- oder Rentenfonds nach verschiedenen Kriterien. Dazu gehören die aktuelle Depotzusammensetzung, Performance in der kurzen und längeren Vergangenheit, Anlageprozess der Gesellschaft sowie die  weitere Markterwartung sind nur einige der Kriterien. Welche konkreten Mischfonds stehen bei Ihnen aktuell ganz oben auf der Liste?

Aktuell haben wir in unseren Verwaltungen zwei verschiedene Mischfonds ausgewählt, der Flossbach von Storch Multiple Opportunities sowie der R Club C von Rothschild. Wir wechseln regelmäßig je nach Markteinschätzung zwischen defensiveren oder offensiveren Mischfonds. Laut BVI-Statistik ist haben Mischfonds bereits einen Marktanteil von 24 Prozent erreicht und mittlerweile Rentenfonds überholt. Worauf führen Sie diesen Trend zurück, wie lange wird er weitergehen und wohin wird er führen?

Risikostreuung, Transparenz und Sicherheit sind für uns wichtige Kriterien bei der Auswahl der Geldanlagen für unsere Kunden. Daher sind Mischfonds aktuell sehr in Mode. Solange die Zinsen für den Anleger so unattraktiv sind und Einzelaktien so stark schwanken, wird dieser Trend auch anhalten.

Flaggschiff-Fonds oder kleine Mischfonds-Perlen: Welche Rolle spielt die Fondsgröße bei der Portfolio-Qualität?

Auch hier gilt wieder Diversifikation. Nicht die Größe des Fonds oder der Gesellschaft ist maßgeblich, sondern die Qualität, die geliefert wird. Zu klein darf ein Fonds bei unserer Selektion allerdings auch nicht sein.

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